Du bist ein Gott, der mich sieht

Der Heilige Geist - Ausschnitt aus einem Kirchenfenster der Johanneskirche zu Partenkirchen
Bildrechte Martin Dubberke

Liebe Gemeinde, wenn Sie dem zurückliegenden Jahr 2022 ein Motto geben könnten, wie lautete das wohl? Für viele von uns war es kein einfaches Jahr. Der Krieg, knappe Ressourcen, Klimawandel, Artensterben, politische Radikalisierung und Spaltung unserer Gesellschaft. Und dazu manche Sorge und mancher Konflikt im eigenen kleinen Leben. Manchmal ist es schwer, das alles auszuhalten, ohne schwermütig zu werden. Unser Blick zurück auf das zu Ende gehende Jahr prägt ja auch unsere Aussicht auf das Kommende. Jede versuchte Antwort ruft neue Fragen auf den Plan. Auch Fragen nach Gott, Fragen an Gott. Krankheit und Tod, Endlichkeit und Ohnmacht, Krieg und Schuld können wir schon lange nicht mehr als tragische Abweichung vom „Normalen“ begreifen. Sie toben sich aus in der Mitte des Lebens und rücken uns hautnah auf den Leib. Tagtäglich.

Erinnern Sie sich noch an die Jahreslosung für dieses Jahr 2022? Sie stammt aus dem Johannesevangelium:

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“.

Jesus sagt das im Gespräch mit seinen Jüngern. Er verspricht das seinen Leuten, den Insidern, denen, die schon bei ihm sind und sich in seiner Nähe sicher fühlen:

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“

Heute, zum Jahreswechsel, kommen wir zu ihm, suchen seine Nähe. Die Jahreslosung des zu Ende gehenden Jahres meint Sie und mich, so wie wir auf dieser Schwelle zum neuen Jahr zu Christus kommen: Gezeichnet und zerrupft, erschöpft und ungeduldig, verunsichert und voller Zukunftsangst. Vielfach erschüttert im Glauben an das Gute, an den Menschen, an Gott. Genauso heißt Christus uns willkommen. Niemanden wirft er raus. Wir alle dürfen guten Gewissens hier sein, wie dürftig und zerrissen unser Glaubensleben auch sein mag. Eine tolle Zusage finde ich. Tröstlich für alle Zeiten, in denen wir uns gottverlassen fühlen auf dieser komplizierten Welt.

Trotzdem, die Zusage Christi setzt voraus, dass jemand sich auf den Weg macht.

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“

Aber was ist eigentlich mit denen, die längst nicht mehr kommen? Weil sie den Glauben an Gott für veraltet halten, oder weil die Kirche sie enttäuscht, verletzt oder gelangweilt hat? Weil andere Dinge ihnen im Leben mehr bedeuten als Spiritualität oder weil sie materiellen Wohlstand wichtiger finden als inneres, geistliches Reifen? Jede und jeder von uns kennt solche Menschen, vielleicht sind es die Liebsten in der eigenen Familie. Niemand will sie verurteilen, schlechtmachen oder ihnen gar Gottes Strafe androhen.

Stattdessen, liebe Schwestern und Brüder, möchte ich den Blick auf die Jahreslosung des kommenden Jahres richten. Ich habe mich gefreut, als ich sie gelesen habe. Denn es ist – nach langer Zeit zum ersten Mal – das Wort einer Frau, was uns durch das Jahr 2023 begleiten soll. Nein, nicht Worte einer Königin oder einer Anführerin oder berühmten Person, sondern der schlichte Satz einer Magd, der man übel mitgespielt hat.

„Du bist ein Gott, der mich sieht!“,

so sagt sie, Hagar, die Magd Abrahams. Ihre Geschichte steht aufgeschrieben im 1. Buch Mose ab Kapitel 16 und lohnt sich sehr zu lesen. Eine Geschichte voller Lust und Frust, Eifersucht und Gewalt, Gefahr und Rettung. Ein echtes Beziehungsdrama. Aber eben auch eine Geschichte, in der Gott sich durch alle Dramen hindurch als rettender, freundlicher, gnädiger Gott zeigt.

Lassen Sie mich die Geschichte kurz skizzieren:

Abraham und Sara hatten die Verheißung erhalten, trotz ihres hohen Alters noch ein Kind zu bekommen. Doch es klappte und klappte nicht, jahrelang. Da tat Sara in ihrer Verzweiflung, was in solchen Fällen damals durchaus üblich war: Sie bat ihren Mann, mit der Magd Hagar zu schlafen um die Magd zu schwängern. Und dann wollte Sara das Kind als ihr eigenes annehmen. Antike Leihmutterschaft sozusagen. Nachkommen zu haben, das bedeutete damals in jedem Fall mehr als Moral oder Treue. Gesagt, getan. Hagar wird schwanger. Und sie lässt es Sara spüren: „Ha, ich bin im Gegensatz zu dir, fähig, einem Kind das Leben zu schenken. Mein Leib und Leben ist fruchtbar, im Gegensatz zu deinem!“ Saras Trauer verstärkt sich, sie hält es nicht mehr aus. Es kommt zu einem Eifersuchtsdrama zwischen den beiden Frauen. Der Streit eskaliert so, dass Hagar schließlich flieht. Eine echte Kurzschlussreaktion. Hagar haut ab in die Wüste. In eine absolut lebensfeindliche, gefährliche Umgebung. Eigentlich ihr sicherer Tod.

Das gibt es in psychischen Extremsituationen, dass jemand sein Leben aufs Spiel setzt, weil er oder sie es einfach nicht mehr aushält. Aber zugleich kann es in solchen Situationen unerwartet Rettung geben. Hagar, so erzählt die Bibel, begegnet dort in der Wüste einem Engel. Er spricht mit ihr, hört sich ihre Geschichte an, prophezeit ihr eine Zukunft – aber macht zur Bedingung, dass sie zurückgeht und sich dem Konflikt stellt. Abhauen ist und war nämlich noch nie eine Lösung. Zukunft gibt es nur in der Begegnung, so anstrengend und aufreibend die auch sein mag. Hagar erkennt das und sie bekennt:

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“

In dem Gespräch mit dem Engel, der vielleicht ja nur ein Fremder war, erkennt Hagar: Ich bin an-gesehen von Gott. Ich genieße höchstes An-sehen. In Gottes Augen bin ich wertvoll und wichtig. Er schenkt mir eine Perspektive, die über alle zwischenmenschlichen Konflikte weit hinausreicht. Das ist das Allerwichtigste.

Und so findet die Magd Hagar die Kraft, zurückzukehren zu Abraham und Sara. Ein Happy End ist das freilich noch lange nicht. Nach der Geburt des Ismael wird Sara schließlich auch noch schwanger. Sie schenkt Isaak das Leben. Und es geht nur kurze Zeit gut in dieser Dreiecks-Geschichte. Irgendwann schickt Abraham Hagar fort, zusammen mit ihrem Kind. Wieder geraten die beiden in die Wüste, wieder ist es brandgefährlich. Und wieder kommt jemand, der sie rettet, ihnen einen Brunnen zeigt und damit die Tür zur Zukunft aufstößt. Wieder ein Engel.

Sie haben einen kleinen Kalender bekommen mit einer Federzeichnung auf der Rückseite. Die stammt von einem der berühmtesten europäischen Maler des 17. Jahrhunderts, von Rembrandt (1606 – 1669) Mit wenigen schnellen Strichen hat er hier die Szene eingefangen. Links liegt das Kind am Boden, in der Mitte sind Hagar und ihr Retter zu sehen. Der Engel zeigt mit seiner Hand auf die Wasserquelle am rechten Bildrand.

Für Rembrandt scheint diese Geschichte eine der wichtigsten aus der Bibel gewesen zu sein. Über hundert (!) Darstellungen von diesem Motiv der Rettung Hagars haben er und seine Schüler im Lauf der Zeit angefertigt. Die Kargheit der spröden Federstriche auf weißem Grund entspricht der dürren, dürftigen Wüstensituation. Fast kann man Durst, Entbehrung und Hitze spüren beim Betrachten. Die Zeichnung ist im Original nur ca. 18 x 25 cm groß. Besichtigen kann man sie in der Kunsthalle Hamburg. 

Nun schenkt Ihnen die Pfarrerin zu Beginn des Jahres 2023 also eine Wüstenszene. Ja, ich tue das bewusst. Die Zeit der Fülle, des Dick-Auftragens, der vollmundigen Überzeugungen, der plakativen Sprüche ist für mich vorbei. Die momentane Welt-Situation ist fragil, mehr denn je gefährdet. Eine Zeit, in der die Menschheit bildlich gesprochen eher in der Wüste herumirrt als sich in einer fetten Oase zu laben. Auch 2023 werden wir Gefährdungen, Entbehrungen und Verzweiflung erleben. Auch im Neuen Jahr wird niemand den Schalter umlegen und alles wieder gut machen können. Unsere Sorge, unser Lebensdurst, unsere Bedürftigkeit werden uns auch im neuen Jahr begleiten, da bin ich ganz realistisch.

Aber es begleitet uns auch der Satz der Hagar:

„Du bist ein Gott, der mich sieht!“

Auch wenn wir ratlos sind und eine fatale Ausweglosigkeit spüren. Auch wenn wir nicht mehr die Kraft haben, irgendwohin zu gehen, oder uns im Gebet an Gott zu wenden. Auch wenn wir längst abgeschlossen haben mit dem Glauben und mit der Hoffnung. Wenn wir uns einfach nur noch niederlegen und liegenbleiben und den Kopf in den Sand stecken möchten: Die Rettung ist nah. Gott sieht uns. Und plötzlich kommt ein Engel, der uns die Tür in die Zukunft wieder aufstößt. Er erinnert uns: Du bist nicht allein. Dein Schicksal ist noch nicht besiegelt. Dein Weg ist noch nicht zu Ende. Es soll weitergehen – und ich, dein Gott, werde bei dir sein. Denn ich bin ein Gott, der dich sieht.

Übrigens: Das gilt nicht nur für Kirchenmitglieder, für fromme Menschen oder Leute, die sich bewusst auf einen Weg der spirituellen Suche machen. Das gilt für alle, die Hunger haben nach Frieden, die sich sehnen nach Gerechtigkeit, deren Lebensdurst noch immer nicht gestillt ist. Es gilt für Außenseiter und Unwichtige, für Ausgebeutete und Ausgetretene, es gilt für Verzweifelte und Zweifelnde.

„Du bist ein Gott, der mich sieht!“

Und sein Blick, der weiter ist als unsere Perspektiven, und sein Friede, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Pfarrerin Uli Wilhelm
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Pfarrerin Uli Wilhelm

Predigt zum Jahresschlussgottesdienst in Grainau am 31.12.2022

Text: Joh 6,37 und Gen 16,13 (Jahreslosungen 2022/23)

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Mehr Texte von Pfrn. Uli Wilhelm

ANgeDACHT - Dankbarkeit

Pfarrerin Uli Wilhelm
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"Macht vierzehn Euro sechzig", raunzt die Frau an der Supermarkt-Kasse mich an. Als ich ihr das Geld reiche, sagt sie keinen Ton. Ein paar Tage später bin ich wieder da. Jetzt sitzt eine andere Kassiererin da.

"Einundzwanzig fünfzig, bitte", sagt sie und "Danke!" als ich ihr das Geld gebe. Und dann verabschiedet sie mich mit einem Lächeln. Was für ein Unterschied! Um wieviel lieber habe ich heute hier eingekauft. Was ein bisschen Freundlichkeit und ein Dankeschön doch ausmachen, denke ich, und gehe viel beschwingter heim.

Du bist ein Gott, der mich sieht

Der Heilige Geist - Ausschnitt aus einem Kirchenfenster der Johanneskirche zu Partenkirchen
Bildrechte Martin Dubberke

Liebe Gemeinde, wenn Sie dem zurückliegenden Jahr 2022 ein Motto geben könnten, wie lautete das wohl? Für viele von uns war es kein einfaches Jahr. Der Krieg, knappe Ressourcen, Klimawandel, Artensterben, politische Radikalisierung und Spaltung unserer Gesellschaft. Und dazu manche Sorge und mancher Konflikt im eigenen kleinen Leben. Manchmal ist es schwer, das alles auszuhalten, ohne schwermütig zu werden. Unser Blick zurück auf das zu Ende gehende Jahr prägt ja auch unsere Aussicht auf das Kommende. Jede versuchte Antwort ruft neue Fragen auf den Plan.

ANgeDACHT - FOBO?

Pfarrerin Uli Wilhelm
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Wissen Sie, was FOBO ist? So hat die New York Times ein Phänomen getauft, das heutzutage immer mehr Menschen zu schaffen macht: Fear of better options, die Furcht vor besseren Möglichkeiten. In der Flut der vielen Optionen können Menschen sich nicht mehr entscheiden, wie sie sich verhalten sollen. Sie haben Angst, irgendetwas Wichtiges übersehen oder nicht lange genug auf die ideale Möglichkeit gewartet zu haben. Sogar nach der Entscheidung suchen sie weiter.

Predigt zum Volkstrauertag 2022

Pfarrerin Uli Wilhelm
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Liebe Gemeinde! Volkstrauertag 2022. Wir gedenken heute der Opfer von Kriegen und Gewalt. Nicht nur der Opfer, die auf unseren deutschen Kriegsdenkmälern stehen, sondern auch der Opfer anderer Kriege. Der Unterschied heuer: Der Krieg ist nahe gerückt, seit dem 24. Februar. Seit Russland die Ukraine überfallen hat, herrschen mitten in Europa herrschen wieder Terror, Angst, Zerstörung, Gewalt. Täglich zeigt der Krieg seine hässliche Fratze. Die Bilder und Nachrichten aus der Ukraine gehen uns nahe. Manchmal so, dass man sie kaum mehr erträgt. Aber was tun?

ANgeDACHT - Give Peace a Chance! Gebt dem Frieden eine Chance!

Mahnwache am Bischofseck - 2022
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John Lennon hat das 1969 gefordert. Sein Lied fällt mir manchmal ein, wenn ich in Garmisch die Kriegergedächtniskapelle besuche oder in Partenkirchen nach St. Anton hinaufsteige: Da blicken einen viele junge Gesichter an, manche sind noch halbe Kinder. Es sind Fotos der Soldaten aus unserem Ort, die nicht mehr zurückgekehrt sind aus dem Krieg. „Gefallene“ nennt man sie beschönigend. In Wirklichkeit sind sie verblutet, wurden ermordet, zerfetzt, hingemetzelt – für die abstruse Idee eines „Deutschland über alles“.

Seelenbalsam

Himmel über Garmisch-Partenkirchen
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Liebe Gemeinde, „Krisen, Krieg und Katastrophen – mit diesem Dreiklang lässt sich wohl am ehesten die gegenwärtige (welt-)politische Lage umschreiben. Schon die Pandemie hat wie in einem Brennglas Unwuchten und Handlungsbedarfe offengelegt, die vielfach schon davor vorhanden waren. All das verschärft sich gerade durch die multiplen Krisen dieser Zeit, was bei vielen zu Ohnmachtserfahrungen, Kurzatmigkeit und Verdrängungsprozessen führt. Wir alle brauchen Balsam für die Seele.“

ANgeDACHT - Tragfähige Brücken

Pfarrerin Uli Wilhelm
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Früher, so hört man manchmal, sei alles besser gewesen. Das mag für manche Dinge stimmen – für die Ökumene sicher nicht. Die blüht und wächst weltweit, auch bei uns in Garmisch-Partenkirchen. In diesen Tagen bereiten wir auch heuer wieder ökumenische Gottesdienste für den Reformationstag und den Buß- und Bettag vor. Wir freuen uns darauf! Nicht immer haben unsere Kirchen freilich so gut zusammengearbeitet. Das weiß ich aus der eigenen Familiengeschichte:

ANgeDACHT - Der HERR ist meines Lebens Kraft

Pfarrerin Uli Wilhelm
Bildrechte Uli Wilhelm

„Ehrlich gesagt, mir graut vor dem neuen Schuljahr“, klagt die Lehrerin. Etliche Kollegenstellen konnten nicht besetzt werden, sie wird viel vertreten müssen. Dabei braucht sie doch schon viel Extra-Energie, Zeit und Geduld für die ukrainischen Kinder, die jetzt neu in der Klasse sitzen.

„Mir graut vor dem Winter“, sagt ein Mann, der nicht gerade einen dicken Geldbeutel besitzt. „Wenn die Energiepreise weiter steigen, kann ich meine Nebenkosten nimmer stemmen. Was soll dann werden?!“

Ruhe nach dem Sturm. Von göttlichen Berg-Momenten der Stille

Pfarrerin Uli Wilhelm
Bildrechte Uli Wilhelm

Liebe Gemeinde, es gibt Augenblicke, die werden uns zu inneren Schätzen. Von denen zehren wir noch lang. Erlebnisse in den Bergen gehören für mich dazu. Ein Sonnenaufgang während eines Aufstiegs zum Beispiel. Ganz langsam wird der Himmel im Osten heller, ein zartes Grau zuerst, eine erste Ahnung davon, dass die Dunkelheit nicht ewig dauert, dann ein tiefes Lila, später flammendes Rot, leuchtendes Orange - und endlich spitzt die Sonne wie ein riesiger funkelnder Diamant hinterm Horizont hervor.

Vom Wert des Loslassens: Glaube und Gelassenheit als Lebenskunst

Pfarrerin Uli Wilhelm
Bildrechte Uli Wilhelm

Das kleine Mädchen steht da, die Hand seiner Mama fest umklammert. Da drüben sitzt Papa. Er lockt: „Komm her zu mir. Trau dich. Los!“ Mama bewegt sich nicht. Da lässt die Kleine ihre Hand los. Wackelig und ein wenig taumelnd stürzt sie schwankend auf ihren Vater zu. Der fängt sie lachend auf. Das Wunder ist geschehen: Das kleine Menschlein hat seine ersten selbständigen Schritte gemacht!

ANgeDACHT - Kostbar wie ein wunderbares Kirchenfenster

Pfarrerin Uli Wilhelm
Bildrechte Uli Wilhelm

Im Urlaub waren wir heuer in Burgund im Herzen Frankreichs. In seiner hügeligen Landschaft verbergen sich wunderschöne Orte mit großartigen, teilweise uralten Kirchen. Für die Stadt Auxerre verspricht unser Reiseführer etwas Besonderes: In der Abtei Saint Germain gibt es eine Kirche, deren Wurzeln bis ins 5. Jahrhundert zurückreichen, mit einer Krypta aus Karolingischer Zeit. Die wollen wir sehen. Doch wir staunen nicht schlecht, als wir an einer Kasse Eintritt bezahlen müssen.

ANgeDACHT - Nebel leben

Spiegelglatt liegt das Wasser im Raum, der in grünes Licht getaucht ist. Auf Holzstegen bewegen sich die Menschen langsam vorwärts. Plötzlich ertönt ein Zischen: aus zahlreichen feinen Düsen wird mit hohem Druck Wasser gepresst. Nebel entsteht. Er hüllt die Menschen ein, zuerst ganz, dann sinkt er ab. Jetzt ragen nur noch die Köpfe der Leute aus dem Nebel. Wie eine vielköpfige grüne Raupe sieht das aus. Ich selbst werde Teil dieser Nebelskulptur. Und staune über die Ideen der japanischen Künstlerin Fujiko Nakaya.

Bewegen und Segen - Warum wir gerne dabei sind

Bewegen & Segen
Bildrechte Uli Wilhelm

Einmal monatlich treffen wir uns, um gemeinsam in der Natur unterwegs zu sein. Geistliche Impulse, Gedankenaustausch, Schweigen und Begegnung wechseln sich dabei ab. Die Gehzeit beträgt ca.anderthalb Stunden. Auch Ungeübte sind willkommen. Selbstverständlich halten wir die Corona-Regeln ein.

Wir haben Menschen gefragt, was ihnen an der Veranstaltung gefällt.

Was für eine Geschichte, diese Ostergeschichte!

Pfauenauge in der Erlöserkirche zu Grainau
Bildrechte Martin Dubberke

Liebe Gemeinde! Haben Sie den letzten Satz aus der Ostergeschichte gehört? Die Frauen sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich. Das erste Ostern war also erst mal offenbar gar nichts besonders Tolles. Ein Ereignis zum Fürchten eher. Den Frauen ist es unheimlich, dass der tote Jesus nicht mehr im Grab liegt. Das kann, das darf doch nicht wahr sein! Und dann dieser seltsame weiß gekleidete Jüngling, der etwas daherredet von Auferstehung?! Das ist schon was zum Zittern und Entsetzen!

Dieser anarchische, wilde Glaube

Als ich einer alten Dame die Hand reiche und „Frohe Ostern“ wünsche, sieht sie mich kritisch an: „Wie kann dieses Ostern froh sein, wo doch wieder Krieg herrscht in Europa?!“ schleudert sie mir entgegen und erzählt, wie sehr die Bilder aus der Ukraine sie belasten und deprimieren. Längst verschüttete Kindheitserinnerungen werden wach: an zerbombte Städte, verzweifelte Menschen, Todesangst im Bunker. Was in unserem Land so lang zurück liegt, ist in Kiew und Charkiw bittere Realität. Tag für Tag. Auch an diesem Osterfest. Die Dame hat recht: Das ist alles andere als froh.

Ostern: Gottes neuer Weg

Der auferstandene Jesus in der Johanneskirche (Ausschnitt aus einem Kirchenfenster)
Bildrechte Martin Dubberke

„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!“ So endet manches Märchen. Als Kind schon haben wir gelernt: Wer gestorben ist, lebt nimmer. Tot ist tot. Mit dem Tod ist alles aus und vorbei. Da gibt es kein Zurück mehr. Das ist eine felsenfeste, unumstößliche Wahrheit. Punkt.

Themenpredigt - Maria Magdalena

Liebe Gemeinde! Eine Frau ändert ihr Leben. Das bisherige Spiel spielt sie nicht mehr mit. Couragiert tut sie, was ihr niemand zugetraut hätte. Nicht nur ihren guten Ruf setzt sie aufs Spiel, sondern ihr Leben. Denn es geht ihr um die Wahrheit. Und um Wahrhaftigkeit. Sie muss tun, was sie tut. Das macht sie berühmt, auf der ganzen Welt und lässt sie zum Vorbild für viele werden.

Von wem spreche ich? Erraten Sie es?

ANgeDACHT - Teilmächtig

Seit über drei Wochen herrscht nun schon Krieg in Europa. Die Bilder und Berichte, die uns aus der Ukraine erreichen, verstören und entsetzen uns täglich aufs Neue. Auf die Frage „Wie geht’s?“, kann kaum mehr jemand mit „gut“ antworten. Wie soll es einem gut gehen, wenn Menschen derart leiden müssen? Berechtigt ist die Sorge vor weiterer Eskalation. Angst macht sich breit. Mitunter fühlen wir uns wie das Kaninchen vor der Schlange: schockiert, erstarrt, ohnmächtig und unfähig, noch irgendetwas Vernünftiges zu tun.

ANgeDACHT - Stern über Bethlehem

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. Und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. (Jesaja 9,1)

Diese Verheißung des Propheten Jesaja gefällt mir. Am Ende des zweiten Pandemiejahres leiden manche unter Blindheit, Verblendung, seelischer Dunkelheit oder finsteren Machenschaften. Verschwörungstheorien, Hass und Aufrufe zur Gewalt erschrecken Menschen guten Willens. Der Friede in unserer Gesellschaft ist fragil geworden. Risse gehen mitten durch Familien.

ANgeDACHT - Herbstsegen

Was für ein Herbst! In allen Farben leuchten die Bäume. Im Wald entdecke ich knallrote Hagebutten und letzte Pilze, im Garten kugeln glänzende Kastanien herum. Eine Zeit der Fülle, der Düfte, Farben und Geschmäcker. „Herbst“ und das englische Wort „harvest“ hängen sprachlich zusammen: Der Herbst ist die Zeit der Ernte.

ANgeDACHT - Erntedank einer Bergsteigerin

"Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert", dichtet Lothar Zenetti, "für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter, die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen, für den Schnee und den Wind, den Vogelgesang und das Gras und die Schmetterlinge, für die Luft, die wir geatmet haben, und den Blick auf die Sterne und für all die Tage, die Abende und Nächte. Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen. Bitte die Rechnung. Doch wir haben Sie ohne den Wirt gemacht: Ich habe euch eingeladen, sagt der und lacht, soweit die Erde reicht: Es war mir ein Vergnügen!"

ANgeDACHT - Freiräume

„Schönheit entfaltet sich nur im freien Raum. Nur im freien Raum sind Ereignisse, Gegenstände und Menschen unwiederholbar, unersetzlich und bedeutungsvoll – und deshalb auch schön. Ein Baum wird bedeutungsvoll, wenn man ihn vor der leeren Fläche des Himmels betrachtet. Ein Ton in einem Musikstück gewinnt an Bedeutung, wenn er zwischen zwei tonlosen Pausen steht. Eine Kerzenflamme blüht im Raum der Nacht …“ (aus: Anne Morrow Lindbergh, Muscheln).

DER BERG RUFT - Forum Berge und Religion

Wankkreuz
Bildrechte Uli Wilhelm

Das Werdenfelser Land ist als Teil der Alpenregion ein paradiesischer Fleck auf dieser Erde. Tausende Menschen wissen dies zu schätzen. Nicht nur jene, die hier leben und arbeiten, sondern auch die vielen Skifahrer, Bergsteiger, Kletterer, Mountainbiker und Wanderer, die nach Garmisch-Partenkirchen und Umgebung kommen, um hier die Natur zu genießen, Bergsport zu treiben, sich zu entspannen und zu erholen.

ANGeDACHT - Das Prinzip Hoffnung

„Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wohin gehen wir? Was erwarten wir? Was erwartet uns? Viele fühlen sich nur als verwirrt. Der Boden wankt, sie wissen nicht warum und von was. Dieser ihr Zustand ist Angst, wird er bestimmter, so ist er Furcht. Einmal zog einer weit hinaus, das Fürchten zu lernen. Das gelang in der eben vergangenen Zeit leichter und näher, diese Kunst ward entsetzlich beherrscht. Doch nun wird … ein uns gemäßeres Gefühl fällig. Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen.“ 

ANgeDACHT - Grün ist die Hoffnung

Was für ein Grün! Die Farbe der Buchenblätter im Frühsommer begeistert mich. Als hätte jemand die Natur mit einem grünen Leuchtstift koloriert. Grün ist Wachstum und Leben, Kraft und Energie. Das spüren Menschen aller Zeiten und Kulturen: Hildegard von Bingen sprach schon im 12. Jahrhundert von der heilsamen „Grünkraft“. In Japan werden Menschen auf Krankenkassen-Kosten zum „Waldbaden“ geschickt. Wenn ich in meiner Freizeit rausgehe „ins Grüne“, ist das für mich eine Zeit bewusster Erholung.

ANgeDACHT - Ganz Ohr sein!

Pfarrerin Uli Wilhelm
Bildrechte beim Autor

"Er weckt mir selbst das Ohr", heißt es in einem Morgenlied unseres Gesangbuchs. Mir hat dieser Satz schon immer gefallen. Die Vorstellung finde ich witzig, dass jemand meine Ohren aufwecken kann, damit ich die Ohren gespitzt habe, ganz Ohr sein und mir vielleicht sogar etwas hinter die Ohren schreiben kann. Man kann aber auch auf dem Ohr liegen oder nur mit halbem Ohr hinhören. Es gibt Leute, die es faustdick hinter den Ohren haben, Schlitzohren - und andere, die übers Ohr gehauen worden sind.

Video-Ostergruß aus Garmisch-Partenkirchen

Ostergruß 2021
Bildrechte Martin Dubberke

Vor einem Jahr, als wir in all unsren Kirchen zu Ostern die Glocken mut- und kraftvoll läuten ließen und danach Christ ist erstanden bei offenen Fenstern und Türen auf unseren Orgeln gespielt haben, haben wir alle gehofft, dass wir die Pandemie bis Ostern 2021 überwunden hätten. Doch auch in diesem Jahr hat uns die Pandemie noch nicht losgelassen und bestimmt unser Leben. Doch in diesem Jahr können wir wieder Gottesdienste feiern, wenn auch noch nicht singen. 

ANgeDACHT - Druck

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Haben Sie auch einen Dampfkochtopf? Eine praktische Sache. Unter Druck kochen die Lebensmittel schneller und die Vitamine bleiben erhalten. Aber ganz ungefährlich ist so ein Topf nicht. Manchmal passiert es mir, dass ich vergesse, die Herdplatte zum richtigen Zeitpunkt zurückzudrehen. Dann entsteht durch die große Hitze zu viel Druck im Topf. Gut, dass ein Überdruckventil eingebaut ist. Wenn es sich öffnet, lässt der Topf Dampf ab.

ANgeDACHT - Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1. Korinther 13,13)

Pfarrerin Uli Wilhelm
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Am 14. Februar ist Valentinstag. Ein Fest der Liebenden. Egal, ob man frisch verliebt ist oder schon lange gemeinsam den Lebensweg teilt – die Liebe ist es wert, gefeiert zu werden. Man beschenkt sich mit Blumen, Süßigkeiten oder anderen kleinen Zeichen der Zuneigung. „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, heißt es. Vielleicht gilt das ja auch für die Liebe? „Du bist mir wichtig. Du bedeutest mir viel. Ohne Dich wäre mein Leben weniger reich. Ich liebe Dich!“ Es tut gut, solche Sätze zu hören. Da wird einem warm ums Herz.

Vom Leichtsinn des Glaubens

Grabstein auf dem Friedhof Garmisch - Ausschnitt
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Liebe Gemeinde! Ich kann mich noch gut an den 90. Geburtstag meiner Großmutter erinnern. Die ganze Familie war zusammengekommen, meine Oma hob das Glas und sagte: "Ich dank meinem Herrgott, dass er mich hat so alt werden lassen. Jetzt hoff ich, dass er mich bald zu sich heimholt!" "Mei, die hat einen Glauben!" seufzte ihr jüngster Bruder. "Ich weiß nicht, ich kann's mir einfach nicht vorstellen, dass es einen Gott gibt. Wenn's Leben aus ist, dann ist es eben aus. Wenn ich mal gestorben bin, dann könnt ihr euch das ganze Brimborium sparen, mit Pfarrer und Kirche und Gebeten.

Nach vorne blicken - Predigt am 3. Sonntag nach Epiphanias

Pfarrerin Uli Wilhelm
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Liebe Gemeinde, es gibt viel Sehnsucht zurzeit nach Geschichten, die gut ausgehen. Kranke, die wieder gesundwerden, Verschwörungstheoretiker, die wieder zur Vernunft finden, Betriebe, die neue Ideen entwickeln und so die Krise überstehen. Hoffnungsgeschichten sind das, die uns gut tun angesichts hoher Infektionszahlen, schrecklicher Todesfälle und angesichts der Einschränkungen, die wir hinnehmen müssen.

Bewegen & Segen - Wandern auf interessanten Wegen. Impulse zum Nachdenken

Pfarrerin Uli Wilhelm
Bildrechte Martin Dubberke

Gehen Sie auch gerne spazieren an der frischen Luft? Und freuen Sie sich auch an Kleinigkeiten, die Ihnen auf dem Weg begegnen: Wolkenstimmungen, interessante Pflanzen, das Rauschen eines Baches, Vogelstimmen oder ein kunstvoll geschnitztes Feldkreuz? Geht es Ihnen auch so, dass Sie während dieser Pandemiezeit Geselligkeit vermissen und Sehnsucht haben nach Austausch und Gespräch?

Unser Gemeindeteam wünscht frohe Weihnachten - Eine Online-Andacht

Das Gemeindeteam
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Für alle, die heuer zu Weihnachten nicht in unsere Gottesdienste in Garmisch-Partenkirchen, Grainau, Burgrain, Farchant oder Oberau kommen können, haben wir diesen Weihnachtsgruß gemacht. Jede und jeder von uns hat sich eine Figur aus der Krippe ausgesucht und so ist gewissermaßen eine ganz besondere Weihnachtskrippe entstanden.

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