ANgeDACHT - Unsere Ebenbildlichkeit mit Gott

Birgit Schiels Haare
Bildrechte Birgit Schiel

Jede Frau im Iran ist sich im Klaren: das könnte ich sein. Eine Haarsträhne, versehentlich aus dem Kopftuch gerutscht? Beschimpft, geschlagen, getötet. Mit wilder Wut schneiden sich die Frauen im Iran die Haare ab: ein Schrei nach Leben, nach Selbstbestimmung, nach Freiheit. Überall auf der Welt tun es ihnen andere Frauen nach.

Wenn es ein Mensch ist, gegen den ich kämpfe, ist es schon schwer genug.

Aber ein ganzes System, eine ganze Gesellschaft, die es duldet, ja erlaubt, mich zu töten? Und das auch noch rechtfertigt mit Gott! Welch eine Blasphemie! Das erste Gebot der zehn lautet nicht umsonst: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes nicht missbrauchen.

Was einer Frau als Opfer passieren kann, kann jeder Frau passieren. Was ein Mann in diesem System tut, dulden und tragen alle Männer mit. Alle machen sich schuldig. „Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer“ (Psalm 14) Das Gefühl in diesem System ständig umzingelt, bedroht und gefährdet zu sein, stelle ich mir atemberaubend vor. Wie kann eine Frau einen Mann noch ansehen, ohne ihn nicht als potentielle Bedrohung zu erleben?

Was geht mich das hier in Deutschland an? Ich bin eine Frau. Ich leben in einer Gesellschaft, die auf tausendfache Weise duldet, dass Frauen und Männer nicht wie gleich wertvolle Wesen behandelt werden.

Wenn ich mit Männern über dieses Thema rede, wird es oft hitzig. Ja, Männer tun Frauen Gewalt an, was hat das mit mir zu tun? Weil Sie ein Mann sind.

Bin ich, egal ob Mann oder Frau, in Kollektivhaft? Nein. Aber in Kollektivverantwortung.

Was einer Frau passiert, passiert allen Frauen. Was einem Mann passiert, passiert allen Männern. Wenn eine Frau die Grenze nicht richtig zieht, müssen es alle Frauen ausbaden. Wenn ein Mann die Grenze nicht richtig zieht, müssen es alle Männer ausbaden. Wir sind füreinander verantwortlich, wir sind unseres Bruders und Schwesters Hüter.

Meine Liebe, meine Fürsorge, mein Mit-Leiden, meine Gebete um Frieden und gegenseitige Vergebung, meine Sehnsucht nach endlich Frieden zwischen Mann und Frau, meine Solidarität und Bewunderung 

...für die Frauen im Iran - ich kann sie zur Zeit nur zeigen durch meine abgeschnittenen Haare. Wenn wir uns den Verletzungen zwischen Mann und Frau nicht stellen, wenn wir unsere Opfer- und Täteranteile nicht angemessen anerkennen und Umkehren, Buße tun (nicht anderes heißt Buße! Umkehr!) und einander von Herzen vergeben, werden wir, davon bin ich überzeugt, auf dieser Welt keinen Frieden haben.

Ohne Frieden zwischen Mann und Frau und allen, die dazwischen oszillieren, ohne Frieden zwischen den Ebenbildern Gottes, wird es keinen Weltfrieden geben. Bitte beten Sie mit für alle Menschen auf dieser Welt, die erleben müssen, dass sie nicht als ein unendlich kostbares Ebenbild Gottes gesehen und behandelt werden.

In Christus verbunden

Pfarrerin Birgit Schiel

Nicht alle Menschen in unserer Gemeinde haben Internet. Wir legen daher in unseren Kirchen ausgedruckte Exemplare unserer Gemeindewoche mit dem ANgeDACHT, den aktuellen Terminen und Neuigkeiten aus der Gemeinde aus. Gerne können Sie die aktuelle Gemeindewoche runterladen und einem Nachbarn oder einer Nachbarin mit einem kleinen Gruß in den Briefkasten stecken.

Tageslosung

Liturgischer Kalender

Liturgischer Kalender

Aktueller Feiertag:

27.11.2022 1. Advent

Wochenspruch: Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. (Sach 9,9a)
Wochenpsalm: Ps 24
Predigttext: Offb 3,14–22


Der nächste hohe kirchliche Feiertag:

24.12.2022 Christvesper

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Mehr Texte von Pfrn. Birigt Schiel

ANgeDACHT - Unsere Ebenbildlichkeit mit Gott

Birgit Schiels Haare
Bildrechte Birgit Schiel

Jede Frau im Iran ist sich im Klaren: das könnte ich sein. Eine Haarsträhne, versehentlich aus dem Kopftuch gerutscht? Beschimpft, geschlagen, getötet. Mit wilder Wut schneiden sich die Frauen im Iran die Haare ab: ein Schrei nach Leben, nach Selbstbestimmung, nach Freiheit. Überall auf der Welt tun es ihnen andere Frauen nach.

Wenn es ein Mensch ist, gegen den ich kämpfe, ist es schon schwer genug.

ANgeDACHT - Geist ist geil

Der Heilige Geist - Ausschnitt aus einem Kirchenfenster der Johanneskirche zu Partenkirchen
Bildrechte Martin Dubberke

Wer heutzutage „Greta“ sagt, meint eigentlich Millionen Junggebliebene, die für eine hoffnungsvolle Zukunft kämpfen angesichts von immer mehr Klimakatastrophen, Klimaflüchtlingen, Klimahungersnöten. Klimakriege werden bald eine unausweichliche Konsequenz sein, bei der es keine Gewinner mehr geben wird.

Monatelang stand Greta wortwörtlich allein da, um darauf aufmerksam zu machen. Aus einem Geist der Angst heraus, blieb sie hartnäckig -  und bewegte viel!

Sterben als letztes Loslassen

Pfarrerin Birgit Schiel
Bildrechte Pfarrerin Birgit Schiel

Der alte Mann liegt röchelnd im Bett, schwach blickt er aus trüben Augen. Seine Gesichtsfarbe ist grau gelb. Seine Tochter sitzt erstarrt daneben, dann bricht es aus ihr heraus: „Jetzt stirbt er bald!“ Ihr Bruder herrscht sie an: „Sag doch sowas nicht!“ Der Hof hängt dran am Leben des Vaters. Die Sicherheit der Kinder.

ANgeDACHT - Der Weltfrieden beginnt im Herzen eines jeden Menschen

Pfarrerin Birgit Schiel
Bildrechte beim Autor

Die Verantwortung für diesen Frieden hat jeder einzelne von uns, egal, wie die Umstände sind. Denn wenn wir im Außen Krieg und Gewalt sehen, ist diesem Krieg eine langer, innerer Prozess voraus gegangen, der sich nun Bahn bricht. So heißt es in Lukas 6,45 : Wenn ein guter Mensch spricht, zeigt sich, was er Gutes in seinem Herzen trägt. Doch ein Mensch mit einem bösen Herzen kann auch nur Böses von sich geben.

ANgeDACHT - Der Weltfrieden beginnt im Herzen eines jeden Menschen

Pfarrerin Birgit Schiel
Bildrechte beim Autor

Die Verantwortung für diesen Frieden hat jeder einzelne von uns, egal, wie die Umstände sind. Denn wenn wir im Außen Krieg und Gewalt sehen, ist diesem Krieg ein langer, innerer Prozess voraus gegangen, der sich nun Bahn bricht. So heißt es in Lukas 6,45: Wenn ein guter Mensch spricht, zeigt sich, was er Gutes in seinem Herzen trägt. Doch ein Mensch mit einem bösen Herzen kann auch nur Böses von sich geben.

ANgeDACHT - Ermutigung zum Gebet

Pfarrerin Birgit Schiel
Bildrechte beim Autor

Liebe Gemeinde,

stellen Sie sich vor, Sie haben einen Ehepartner, und Sie reden eine Woche nicht mit ihm oder ihr. Sie denken nicht an Ihren Partner. Sie vermissen ihn nicht. Sie haben zu viel zu tun, der Alltag frisst Sie auf und überhaupt, eigentlich wollen Sie nur Ihre Ruhe.

Was glauben Sie, wie wird diese Partnerschaft weitergehen?

ANgeDACHT - Wie ernst nehme ich Gott eigentlich?

Pfarrerin Birgit Schiel
Bildrechte beim Autor

Ich erinnere mich an einen Morgen in einer alten Gemeinde vor vielen Jahren. Ich hatte einen Kollegen, mit dem ich mich leider überhaupt nicht gut verstand. Und dieses Mal hatte er es richtig verbockt, ich war stinksauer und das zu Recht (es gibt keinen gerechten Zorn, aber es gibt gute Anlässe…). An diesem Tag sollten wir eine Dienstbesprechung halten und ich war in der Laune, Köpfe abzureißen. Ich fühlte mich völlig im Recht und rüstete mich mit Argumenten und Strategien.

ANgeDACHT - Eine 100%-Garantie

Bildrechte beim Autor

Man sagt: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Da wird wohl was dran sein. Es gibt aber einen statistischen Wert, auf den ich mich 100 Prozent verlassen kann: Die Sterblichkeitsrate des Menschen. Die liegt nämlich bei exakt 100 Prozent. Oder, wie es eine Freundin mal ausdrückte: Alle Menschen sterben. Vielleicht auch ich.

ANgeDACHT - Unsere Wunden

Pfarrerin Birgit Schiel
Bildrechte beim Autor

Durch unsere Wunden tritt Gott in die Welt - warum es wichtig ist, dass der Auferstandene die Wundmale trägt.

Heutzutage haben die Menschen oft einen Widerwillen gegen eine Abbildung vom leidenden Gekreuzigten am Kreuz.  Für mich ist das ein Symptom dafür, wie wir mit unseren eigenen Wunden umgehen: Bitte nicht ansehen!

ANgeDACHT - Und was macht eigentlich der Heilige Geist so?

Pfarrerin Birgit Schiel
Bildrechte beim Autor

Jesus kann man sich ja noch irgendwie vorstellen. Gott ist schon schwieriger, aber auch der hat innerhalb der Trinität Züge einer Person: sei es als alter Mann, König, Hirte, oder sonstwas Vorstellbares.

Aber beim Heiligen Geist hört bei vielen Menschen dann endgültig die Phantasie auf. Wie soll man sich das Brausen vom Himmel, die Feuerzungen auf den Köpfen der Apostel, wie soll man sich eine so abstrakte Kraft vorstellen?

ANgeDACHT - Ob wir leben oder sterben…   Wenn Gottes Geist Orientierung schenkt

Pfarrerin Birgit Schiel
Bildrechte beim Autor

Kürzlich wurde ich quasi  als Mörderin beschimpft, weil ich Bedenken wegen der Impfung geäußert hatte. In einer Andacht äußerte ich mich daraufhin besorgt, dass es scheinbar für uns nur noch die Wahl zwischen entweder-oder, schwarz-oder-weiß gibt. Krisenmodus und Erschöpfung verhindern Diskurs oder Grauzonen. Stichwort allesdichtmachen… Die Reaktionen: ich wurde wieder beschimpft, ich solle mich doch impfen lassen. Bzw. es zu lassen.

Video-Ostergruß aus Garmisch-Partenkirchen

Ostergruß 2021
Bildrechte Martin Dubberke

Vor einem Jahr, als wir in all unsren Kirchen zu Ostern die Glocken mut- und kraftvoll läuten ließen und danach Christ ist erstanden bei offenen Fenstern und Türen auf unseren Orgeln gespielt haben, haben wir alle gehofft, dass wir die Pandemie bis Ostern 2021 überwunden hätten. Doch auch in diesem Jahr hat uns die Pandemie noch nicht losgelassen und bestimmt unser Leben. Doch in diesem Jahr können wir wieder Gottesdienste feiern, wenn auch noch nicht singen. 

ANgeDACHT - Normale Reaktionen auf eine unnormale Situation

Pfarrerin Birgit Schiel
Bildrechte beim Autor

Ich erinnere mich an einen Einsatz aus meiner Zeit als Notfallseelsorgerin:

Es ist mitten in der Nacht, als der laute Alarm losgeht. Ein Brand auf einem Bauernhof. Niemand ist verletzt, aber die Rinder im Stall sind tot. Ich frage mich durch beim Einsatzleiter, bis ich zu den Hofbesitzern komme. Die Familie ist in der Küche. Einer Mann sitzt ganz ruhig da, sagt kaum einen Ton. Eine Frau zittert, weint, klagt laut. Ein weiterer rennt auf und ab, schimpft.