„Er aber kennt meinen Weg.“ (Hiob 23,10) – so ringt Hiob mitten in seiner Dunkelheit um Halt. Er findet keine einfachen Antworten, kein schnelles Licht am Ende des Tunnels. Aber er hält fest: Gott sieht ihn, Gott kennt seinen Weg – auch wenn er ihn selbst nicht begreift.
Der Wochenspruch führt uns einen zweiten Gedanken vor Augen:
„Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ (1. Petrus 5,5b)
Beides zusammen eröffnet eine geistliche Bewegung, die uns durch die Unsicherheit unserer Zeit tragen kann.
Klagen – Hiob lehrt uns, dass wir das Leid nicht verschweigen oder kleinreden müssen. Wir dürfen Gott unser Unverständnis, unsere Angst und unsere Verzweiflung hinhalten. Klage ist kein Mangel an Glauben, sondern Ausdruck einer lebendigen Beziehung. In einer Welt voller Krisen, Kriege und Umbrüche ist es heilsam, ehrlich zu benennen, was uns schmerzt.
Demut – Der Erste Petrusbrief erinnert uns daran, dass wir nicht die Herren der Geschichte sind. Hochmut will alles selbst kontrollieren, Demut aber öffnet den Raum für Gottes Handeln. Demut heißt nicht kleinmachen, sondern realistisch anerkennen: Ich kann nicht alles lösen – aber ich kann mich Gott anvertrauen. Gerade in unserer Kirche, die oft zwischen Selbstanspruch und Überforderung schwankt, liegt hier eine befreiende Wahrheit.
Vertrauen – Aus Klage und Demut erwächst Vertrauen. Wenn Gott meinen Weg kennt, dann darf ich auch im Nebel gehen. Vertrauen ist kein blinder Optimismus, sondern eine Haltung, die weiß: Meine Zukunft liegt in Gottes Hand. Dieses Vertrauen schenkt Kraft und Zuversicht, die Herausforderungen nicht zu verdrängen, sondern ihnen mit Hoffnung zu begegnen.
So wird aus den beiden biblischen Stimmen ein Weg, der uns stärkt: Klage – Demut – Vertrauen. Wer so lebt, findet Halt im Angesicht der Unsicherheiten. Und wir als Gemeinde können ein Zeugnis davon geben, dass Gott gerade den Suchenden und Schwachen seine Gnade schenkt – und uns durch alle Dunkelheiten hindurch trägt.
Ich wünsche Euch von Herzen eine gesegnete Woche
Euer
Pfr. Martin Dubberke
Gedanken zum Predigttext für den 11. Sonntag nach Trinitatis 2025, Perikopenreihe I, Hiob 23 und dem Wochenspruch aus 1. Petrus 5,5b vom 31. August 2025