Ein neunjähriger Junge reist im Jahr 2000 erstmals von Kanada nach Afrika. Das ist an sich schon eine aufregende Erfahrung. Außergewöhnlich ist aber auch die Motivation, die letztlich nicht nur Ryan, sondern unglaublich viele Menschen in Bewegung gebracht hat.
In der Schule hatte Ryan drei Jahre zuvor von der verheerenden Trinkwasserqualität in Afrika erfahren. Was die Lehrerin über das schmutzige Wasser im fernen Kontinent erzählte, traf Ryan Hreljac mitten in sein Herz. Für ihn unvorstellbar, dass Menschen verunreinigtes Wasser trinken und mit Krankheiten oder Tod rechnen müssen.
Die Lehrerin erwähnte die Organisation „WaterCan“, die mit einem Beitrag von ungefähr 70 Dollar Brunnen bauen kann.
Ryan ist nach dem Schock über die Lebenssituation anderer Kinder fasziniert von der Möglichkeit mit 70 Dollar Abhilfe schaffen zu können.
Der Gedanke ließ ihn nicht zur Ruhe kommen, wenn sozusagen entsprechend „Geld fließt“, können Kinder und ihre Familien – ähnlich wie er selbst – einen Wasserhahn aufdrehen und ohne Gefahr ihren Durst stillen.
70 Dollar war für seine Familie kein kleiner Betrag, aber Ryan begann Geld zu sammeln. Mit kleinen Hausarbeiten sparte er selbst etwas an, versuchte in seiner Schule und in der Öffentlichkeit Menschen zu informieren und für Brunnen in Afrika zu begeistern. Schließlich wurden Lokal- und Regionalzeitungen auf den kleinen Jungen und seine ansteckende Kraft aufmerksam. Das war auch notwendig.
Denn als die 70 Dollar greifbar nahe waren, erfuhr Ryan bei „WaterCan“, mit dieser Summe ist lediglich eine Handpumpe abgedeckt, ein umfängliches Brunnenprojekt erfordert die Investition von 2000 Dollar.
Ryans Leidenschaft war ungebrochen, er nutzte die wachsende Aufmerksamkeit und blieb hartnäckig im Einsatz für das Brunnenprojekt. Neben einer Schule in Uganda entstand er nun, der erhoffte Brunnen.
Mit Handbohrern benötigte eine Gruppe von Männern fast zehn Tage, mit einer Bohrmaschine könnte man schneller und weiter Brunnen bauen. Dafür galt es die Summe von 25000 Dollar zu sammeln, „ich organisiere das Geld“ war Ryans Ansage. Fernsehsender berichten und das beherzte Brunnenanliegen gewann mehr und mehr an Tiefgang in den Herzen der Menschen. Endlich konnte er mit seiner Familie nach Angolo in Uganda reisen. Zur Schule mit dem ersten Brunnen und Akana Jimmy, seinem Brieffreund. Klatschend und singend wurde er empfangen. „Kennen die mich etwa alle?“, ein Dolmetscher antwortete nur: „Jeder im Umkreis von 100 Kilometer kennt dich.“ 2026 wird die „Ryans Well Foundation“ 25 Jahre alt, inzwischen konnten zahlreiche Brunnen in Uganda, Kenia, Malawi, Nigeria, Zimbabwe und Äthiopien errichtet werden.
Es gibt so viele negative Nachrichten, die „an uns bohren“. Ich wünsche uns, dass wir den „Brunnen unserer Hoffnung“ weiter miteinander vertiefen. Brunnenbau, der uns ansteckt, mit dem Durst nach Gemeinschaft in Frieden und Gerechtigkeit.
Wir dürfen darauf vertrauen: Die Quelle wird nicht versiegen, so wie wir in der Epiphaniaszeit bekennen:
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden:
Komme, wen dürstet, und trinke, wer will!
Holet für euren so giftigen Schaden Gnade aus dieser unendlichen Füll!
Hier kann das Herze sich laben und baden.
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden. (EG 66, 7)
shalom ralf j. tikwe
