ANgeDACHT - Die Wiederentdeckung des besinnlichen Advents

Pfarrer Martin Dubberke
Bildrechte Johannes Dubberke

Liebe Geschwister, in dieser Woche habe ich mit den Konfis das Thema Advent gemacht. Liegt ja in der Woche vor dem Ersten Advent irgendwie auf der Hand. Auch in diesem Jahr war es wieder spannend. Wir haben nach einer kurzen Einführung ins Thema vier Gruppenarbeiten gemacht:

Was ist Advent? – Ursprung und Begriff

Warum feiern wir Advent? – Sinn und Bedeutung

Was gehört zum Advent? – Bräuche und Symbole

Advent und Fastenzeit – Verzicht und innere Vorbereitung

Ihr merkt schon, wir haben versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. Und dabei haben wir gemerkt, dass der Advent eigentlich eine unbekannte Zeit geworden ist. Eine der Fragen, die an diesem Tag gestellt wurde, lautete: Was unterscheidet die kirchliche Adventszeit von der kommerziellen Adventszeit?

Ich finde, dass das eine sehr spannende Frage ist. Es wird deutlich, dass insbesondere die kommerzielle Adventszeit im Vordergrund steht. Schon im August wird’s in unseren Supermärkten Advent. Die ersten Adventskalender stehen in den Regalen und wenn’s Advent wird, werden sie um 30% reduziert. Was ist eigentlich noch vom Advent geblieben, mit dem viele von uns einst groß geworden sind? Wir erinnern uns an den Adventskranz, die Pyramide mit echten Kerzen, das Räucherhäuschen, das Zwetschgenmanderl oder den Rauschgoldengel und vor allem die berühmte Lebkuchentruhe. Es war in meiner Kindheit eine ganz besondere Zeit und Atmosphäre, wenn meine Mutter alles für den Nachmittag am Adventssonntag fertiggemacht hat. Es war dunkel, die Kerzen im Speisezimmer brannten und es lag dieser wunderbare Duft im Raum. Wir saßen alle um den Tisch, mein Vater las Adventsgeschichten vor und wir Geschwister hörten gebannt zu. Das war eine Auszeit von der Zeit da draußen in der Welt. Nicht jedes Jahr eine neue Adventsdeko, sondern Jahr um Jahr die gleiche Deko, bis ans Lebensende meiner Eltern.

Advent ist die Zeit, in der wir auf die Ankunft Jesu warten und uns darauf vorbereiten. Es ist die Zeit, in der wir auf den Frieden warten, den Jesus Christus der Friedefürst bringen wird. Advent ist eine Fastenzeit, die ursprünglich am 11. November begann, dem Martinstag. Diese Zeit dauert etwa acht Wochen bis Weihnachten. Das entspricht der vierzig Tage währenden Fastenzeit Jesu in der Wüste. Die Samstage und Sonntage sind von der Fastenzeit ausgenommen, so dass man auf diese vierzig Tage kam. Samstag und insbesondere der Sonntag sind eine Zeit des Fastenbrechens. Man bereitete sich durch Verzicht auf Fleisch, Milchprodukte, Alkohol und Süßes auf das Weihnachtsfest und damit die Geburt Jesu vor. Man möchte es kaum glauben, aber ursprünglich galten die Lebkuchen oder Pfefferkuchen als Fastengebäck für Advent und Fastenzeit. Der Honig macht sie besonders haltbar, wodurch sie sich für Wintervorräte und Almosenverteilung eigneten. Auch die liturgische Farbe des Advents – das Violett, die Farbe der Passionszeit – erinnert uns daran, dass wir uns auf den Weg in ein neue Weise zu leben machen sollen.

Im Advent bereiten wir uns auf die Geburt Jesu vor, auf den Sohn Gottes, den Mann, der bis heute unser Leben verändern kann, wenn wir ihm nachfolgen. Ich wünsche Euch von Herzen eine gesegnete, eine besinnliche Adventszeit. Und was heißt besinnlich anderes, als den Sinn des Lebens zu suchen, den wir mit Jesus Christus an unserer Seite finden können.

Euer Pfarrer Martin Dubberke