„Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu.“ (Philipper 4,7)
So lautet der Kanzelsegen. Er ist Teil der sogenannten Kanzel- oder Predigtliturgie, die früher einmal deutlich reichhaltiger gewesen ist. Heute besteht die Kanzelliturgie aus der Abfolge von Kanzelgruß, Lesung des Predigttextes mit Gebet und der Kanzelsegen. Wobei sich auch hier noch einmal in den zurückliegenden Jahren eine Veränderung ergeben hat, weil mehr und mehr der Predigttext erst im Laufe der Predigt verlesen wird.
Der Kanzelsegen findet schon im 4. Jahrhundert Eingang in die Liturgie – also noch vor Erfindung der Kanzel im 13. Jahrhundert. Im Laufe der Zeit bildete sich dann bis um das Jahr 1000 eine Predigtliturgie heraus, in der die Predigt mit Gruß, Gebeten und Segen umrahmt wird. Mit der Reformation bekam die Predigt dann die exponierte Bedeutung, die sie auch heute noch hat, wodurch der Kanzelsegen im evangelischen Gottesdienst als bewusster Zuspruch am Ende der Predigt eine zentrale Rolle einnahm, um die verkündete Botschaft mit Gottes Frieden zu versiegeln und die Gemeinde zu ermutigen, sie im Alltag umzusetzen. Dieser Segen, aus Philipper 4,7 entnommen, entlastet mich als Prediger – um es mal so zu sagen - von der Illusion vollständiger Vollständigkeit meiner Worte und weist stattdessen auf den überlegenen Frieden Gottes hin, der höher ist als alle Vernunft. Ich mache damit deutlich, auch wenn ich vielleicht ein guter Prediger sein sollte, dass all mein Predigen nur eine beschränkte Perspektive darstellt.
Aber warum ist ausgerechnet Philipper 4,7 zum Kanzelgruß geworden? – Dieser Vers wird schon seit dem 4. Jahrhundert als Kanzelsegen verwendet. Schon allein das macht ihn besonders, weil alle Menschen seitdem mit den gleichen Worten aus der Predigt entlassen werden. Das hat etwas stark Verbindendes. Auch Martin Luther hat diesen Vers explizit als Kanzelsegen genommen, wodurch er sich dann wie von ganz allein in der evangelisch-lutherischen Tradition verankert hat.
Pfr. Martin Dubberke
