ANgeDACHT - Was gebe ich von mir selbst?

Pfr. Martin Dubberke vor der Johanneskirche in Partenkirchen
Bildrechte Martin Dubberke

Nachfolge bedeutet, nicht Zuschauer zu sein, sondern Akteur und damit das Risiko einzugehen, für unseren Glauben mit allen Konsequenzen zu stehen.

Nachfolge bedeutet Verzicht. Das ist das, was uns am allerschwersten fällt, weil es immer mit dem faden Beigeschmack verbunden ist, sich selbst aufzugeben. Aber das stimmt nicht. Nachfolge bedeutet das Ablegen des Egoismus, das Erkennen, dass es nicht um mich geht, sondern um das Ganze. Geht es dem Ganzen nicht gut, geht es auch mir nicht gut. Der Krieg in der Ukraine hält uns das vor Augen. Die zerstörerische Kraft und der zerstörerische Wille eines einzigen Menschen setzen die ganze Welt in Bewegung. Menschen werden ermordet. Häuser, Orte, Städte werden zerstört. Menschen fliehen, auch zu uns. Wer am Freitag an der Johanneskirche vorbeikommt, kann sehen, wie viele Menschen aus der Ukraine zu unserer Tafel kommen. Wir haben die höchste Inflationsrate seit langem. Wir haben Teuerung an allen Ecken und Enden. Das Böse, um es mal so zu nennen, ist mit seinen Folgen auch bei uns spürbar, sichtbar, fassbar angekommen.

Wenn es um die Nachfolge geht, stellt sich jedem einzelnen von uns die Frage, welche unserer Eigenschaften, welche unserer Gewohnheiten uns daran hindern könnten. Nachfolge ist kein bequemer Weg, sondern ein herausfordernder, denn es bedeutet, sich selbst die Frage zu stellen: Was gebe ich von mir selbst?

Nachfolge bedeutet Verantwortung. Verantwortung für die Herde. Das bedeutet Verantwortung für die Sicherheit, die Nahrung, das Wohlergehen. Nachfolge bedeutet in diesem Zusammenhang z.B. auch den Verzicht auf Mieten, die kaum noch einer zahlen kann.

Dietrich Bonhoeffer hat in seinem Buch „Nachfolge“ die Frage gestellt: „Was wird über den Inhalt der Nachfolge gesagt?“ Er hat sich diese Frage so beantwortet: „Folge mir nach, laufe hinter mir her! Das ist alles.“

Und dann schreibt er wenige Zeilen später, was Nachfolge wirklich bedeutet: „Die Brücken werden abgebrochen, und es wird einfach vorwärts gegangen…Das Alte bleibt zurück, es wird ganz hingegeben.“

Damit bedeutet Nachfolge, nicht nur ein neues Leben, sondern in letzter Konsequenz, dass wir die Schafe seiner Herde sind, die ihm vertrauend folgen. Und wir, das sind wir alle in unseren unterschiedlichen Verantwortlichkeiten. Auch zum Beispiel ein Bundeskanzler oder eine Premierministerin oder ein Präsident – also Regierende – sind nur Schafe in seiner Herde. Was würde sich alles ändern, wenn wir allesamt einsähen, Schafe in seiner Herde zu sein und ihm so zu folgen? Dann würden wir vielleicht den Psalm 23 irgendwann einmal ein wenig umschreiben und nicht mehr sagen: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen ein Leben lang“, sondern „Gutes und Barmherzigkeit werden uns folgen ein Leben lang.“

Euer/Ihr

Pfarrer Martin Dubberke

 

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oder
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