ANgeDACHT - Siehe, ich mache alles neu

Pfarrer Martin Dubberke
Bildrechte Johannes Dubberke

Was für eine Jahreslosung für das neue Jahr? „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5) Ist es nicht genau das, was wir uns immer wieder wünschen, dass endlich alles neu wird und damit gut? Die letzte Zeit hat uns doch ganz schön Kraft gefordert und sich auf unsere Seele gelegt. Und wir haben als Gesellschaft, als Kirche, als Menschen in den vergangenen Jahren eine ganze Menge aushalten müssen. Das hat uns verändert, das hat unsere Kirche, unser Land und nicht zuletzt auch unsere Welt verändert. Die Sehnsucht danach, dass jemand, dass Gott alles neu macht, ist, glaube ich, riesig.

Die Jahreslosung steht in der Offenbarung des Johannes da, wo er eine Vision vom neuen Himmel und der neuen Erde sieht, da wo Tränen, Tod und Leid vergehen. Ich finde, das Spannende an dieser Jahreslosung liegt darin, dass Gott uns mit diesem Versprechen nicht nur Trost und Hoffnung spenden möchte, sondern auch deutlich macht, dass das Alte nicht durch Zerstörung vergeht, sondern zur Vollendung verwandelt wird. Gott lädt uns ein, der Zukunft zu vertrauen.

Leicht gesagt und doch so schwierig, wenn wir die Zeitung aufschlagen, die Nachrichten im Fernsehen sehen. Da geht es eigentlich immer nur noch die Macht Einzelner, um die Täuschungen und Enttäuschungen. Ganz egal, ob es sich um den Frieden in der Ukraine oder an anderen Orten in dieser Welt handelt, oder um die Versprechen einzelner Politiker, die in einer Koalition manches Mal nicht sonderlich belastbar sind. Die Medien sorgen für schlechte Laune, weil sie mehr auf das nicht Gelingende, statt auf das Gelingende zu schauen. Mit Pessimismus macht man halt mehr Quote.

Doch unser Job als Christinnen und Christen ist es, die Hoffnung im Blick zu haben, sich nicht vom Pessimismus der Welt um uns herum anstecken zu lassen. War das nicht auch ein Teil der Lernstrecke des Jahres 2025 als uns die Jahreslosung „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1. Thessalonicher 5,21) mit auf den Weg gegeben worden ist? Das heißt doch nichts anderes, als sich nicht vom Pessimismus anstecken zu lassen. Was ist daraus geworden?

Gott weiß, dass der Mensch leider eine Schwäche für den Pessimismus hat. Doch wenn ich jetzt sagen würde, dass wir dafür keinen Grund haben, würdet Ihr mich sicherlich fragen, ob ich noch alle Latten am Zaun habe und in welcher Welt ich leben würde. Und damit komme ich an den eigentlichen Punkt, nämlich unserem eigenen Anteil am Pessimismus. Die Jahreslosung fordert uns dazu auf, diesen Pessimismus zu begraben, uns von diesem zu befreien und damit eine andere Haltung einzunehmen. Ist das nicht auch immer der Grund, sich für ein neues Jahr etwas Neues vorzunehmen, etwas anders zu machen, als man es bislang gemacht hat?

Die Jahreslosung lädt uns dazu ein, aus der Hoffnung auf dieses Neue, das uns Gott verspricht zu leben. Hoffnung ist konstruktiv. Hoffnung gibt uns Mut für die Zukunft und macht uns für Pessimismus, für Übelkrähen unempfänglich. Sich auf diese Hoffnung einzulassen, Mut für das Neue zu haben, bedeutet, selbst auch andere Menschen von dieser Hoffnung zu überzeugen, den Pessimisten durch Hoffnung ihre Macht über uns aus den Händen zu nehmen. So ganz ohne Gewalt. Und genau das ist unsere Herausforderung für das Jahr 2026, als Christin und Christ und auch als Kirche, diese Hoffnung mit Leben zu erfüllen, das Neue zu wagen.

„Siehe, ich mache alles neu!“ – diese Worte Gottes rufen uns auf, das Jahr 2026 mit offenen Herzen anzutreten, voller Mut und Zuversicht. Lasst uns die Hoffnung nicht nur festhalten, sondern sie aktiv leben: indem wir Neues wagen, Pessimismus abstreifen und andere mit anstecken. Gemeinsam als Kirche und Gesellschaft können wir Gottes Verwandlung wirken sehen – Schritt für Schritt, Tag für Tag.

So, und nun lasst uns miteinander die Hoffnung des Neuen in die Welt tragen. Gott segne Euch reichlich im neuen Jahr!

Euer Pfarrer Martin Dubberke