ANgeDACHT - Druck

Pfr. Martin DubberkeHaben Sie auch einen Dampfkochtopf? Eine praktische Sache. Unter Druck kochen die Lebensmittel schneller und die Vitamine bleiben erhalten. Aber ganz ungefährlich ist so ein Topf nicht. Manchmal passiert es mir, dass ich vergesse, die Herdplatte zum richtigen Zeitpunkt zurückzudrehen. Dann entsteht durch die große Hitze zu viel Druck im Topf. Gut, dass ein Überdruckventil eingebaut ist. Wenn es sich öffnet, lässt der Topf Dampf ab. Er zischt und pfeift - so laut, dass ich sofort hinstürze und ihn von der heißen Herdplatte ziehe. So hat dieses Ventil mich ein paar Mal schon vor einer Explosion des Topfes gerettet.

Sicherheitsventile sind wichtig. Dampf ablassen, wenn der Druck zu groß wird. Mal loszischen oder laut werden. Es rausschreien, wenn einem eine Situation zu heiß wird, eine Ungerechtigkeit zu himmelschreiend, ein Leid unerträglich. Das befreit und schafft Luft. Und es verhindert, dass am Ende alles explodiert.

Manche denken, als Christin oder Christ dürfe man das nicht. Man müsse sich schließlich beherrschen können und möglichst stets ruhig und gefasst bleiben. Druck müsse man eben aushalten können. Doch schauen wir auf Jesus. Er hat das nicht gekonnt, denn er war richtig Mensch. Manchmal hat Jesus extrem unwirsch reagiert. Er hat geschrien und geweint. Sogar körperlich ist er vorgegangen gegen Leute, die ihn auf die Palme gebracht haben. Richtig ausgerastet ist er, als er das Treiben der Händler und Geldwechsler im Tempel sah. „Das soll ein Haus des Gebets sein“, hat er geschrien, „ihr aber habt es zur Räuberhöhle gemacht!“. Und dann hat er sie hochkant rausgeworfen aus dem Tempel. Druck ablassen - selbst Gottes Sohn hat das gebraucht. Wut und Enttäuschung, Frust und Aggression sind Teil der Passionsgeschichte. Die leidenschaftliche Geschichte Gottes mit den Menschen ist auch heute noch nicht zu Ende. Auch wir haben Grund, im Namen Gottes Nein zu sagen zu Ungerechtigkeit, Menschenverachtung, Ausbeutung und Ignoranz. Wenn Menschen ihre Stimme laut erheben, kann das lebensrettend sein. Wie ein Sicherheitsventil.

Ihre Pfarrerin

Uli Wilhelm

Nicht alle Menschen in unserer Gemeinde haben Internet. Wir legen daher in unseren Kirchen ausgedruckte Exemplare aus und falls Sie es einem Nachbarn oder einer Nachbarin mit einem kleinen Gruß in den Briefkasten stecken möchten, können Sie den Handzettel gerne als PDF herunterladen, ausdrucken und weitergeben oder aushängen: ANgeDACHT - Druck