ANgeDACHT - Aufstehen

Pfr. Hanns-Martin HagerAm Karfreitag wurde ein Provinzgouverneur namens Pilatus von der herrschenden Religionselite genötigt, den Gottmenschen Jesus durch Kreuzigung zu töten. Was drei Tage nach der Hinrichtung am Ostermorgen geschieht, ist wahrhaft revolutionär. Das Grab des Jesus von Nazareth ist leer, obwohl es nach der Bestattung versiegelt und scharf bewacht wurde. Die logische Erklärung konnte nur lauten: Es mußte etwas geschehen sein, was alle bisherigen Erfahrungen und Naturgesetze außer Kraft gesetzt hatte: Jesus ist auferstanden. Er lebt.

Ostern ist eine deutliche Warnung an alle Herrschenden, die da heißt: „Ihr könnt mit uns alles machen, Ihr könnt uns mundtot machen, einsperren oder foltern. Selbst wenn Ihr uns tötet, ist das Leben stärker. Wir kommen immer wieder.“

Die Christen der ersten Jahrhunderte waren gegenüber der römischen Kaiserherrschaft so furcht- und respektlos, dass sie sich weigerten, Weihrauchkörner im Tempel als Opfergabe und Bekenntnis der Göttlichkeit des Kaisers zu verbrennen. So nahmen sie in Kauf, von Gladiatoren oder wilden Tieren im Zirkus von Rom in Stücke gerissen zu werden. In ihrem Glauben wussten sie: Wir werden wiederkommen wie unser Vorbild Jesus. Dieser jeder Vernunft widersprechende Glaube an die Auferstehung legte den Grundstein für das Christentum.

Heuer, im Jahr 2020 nach Christus, konnten wir das Ostergeschehen nicht in öffentlichen Gottesdiensten feiern, weil die Herrschenden in unserem Land und nahezu überall auf der Welt es allen Bürgern untersagen, sich öffentlich zu treffen, sei es um zu feiern oder sei es, um ihre Meinung öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Weil ein ansteckendes Virus sich ausbreitet, das besonders für alte und kranke Menschen lebensbedrohlich werden kann, werden die wesentlichen Grundrechte für alle Menschen aufgehoben, - und zwar bis zu einem nicht genannten Zeitpunkt. In den Leitmedien unseres sich demokratisch nennenden Gemeinwesens werden den Bürgern die scheinbar alternativlosen medizinischen und politischen Botschaften verkündet. Wer andere Meinung ist, sei es, weil er die Lage juristisch, medizinisch oder politisch anders beurteilt, wird kurzerhand „gekreuzigt“, und das mit allen heute zur Verfügung stehenden Mitteln, z.B. durch entsprechende Diffamierung in Nachrichtensendungen und Talkshows oder durch ein polizeilich verfügtes Abschalten von Internet-Seiten Andersdenkender. Einen derartigen Stillstand des gesamten öffentlichen Lebens wie wir ihn momentan erleben, hat es nicht einmal im Mittelalter gegeben, als die (wesentlich gefährlichere) Pest wütete, an der ein Drittel der Bevölkerung Europas gestorben ist. Auch damals hatte man bereits den Sinn von Quarantäne-Maßnahmen entdeckt und praktiziert, nur eben mit Augenmaß. Es ist nicht bekannt, dass zu Pestzeiten Gottesdienste untersagt waren, im Gegenteil - religiöse Feiern wurden damals zur spirituellen Stärkung für die Menschen umso wichtiger.

Wenn wir als Christen die revolutionäre Osterbotschaft in unsere aktuelle Situation hinein übersetzen, kann das nur heißen: Wir lassen uns von den Fürsten dieser Welt nicht kritiklos einsperren, in Hausarrest schicken und mundtot machen. Wir bezweifeln jede herrschende Autorität und befreien uns aus der aufgezwungenen Unmündigkeit. Wir stehen auf.

Hanns-Martin Hager


 

PS
Nicht alle Menschen in unserer Gemeinde haben Internet. Wir legen daher in unseren Kirchen zu jedem Erscheinungstag ausgedruckte Exemplare in unsere Kirchen und falls Sie es einem Nachbarn oder einer Nachbarin mit einem kleinen Gruß in den Briefkasten stecken möchten, können Sie es sich gerne als PDF herunterladen und ausdrucken.

 

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