KIRCHENAUSSTATTUNG: Folge 3 – Das Beffchen – Eine Frage des Bekenntnisses

Das Beffchen
Bildrechte Martin Dubberke

In meinem Amtszimmer hängt ein Bilderrahmen mit einem Beffchen, also den beiden weißen Stoffstreifen, die man am Talar trägt. Es ist mein erstes – obwohl: mein allerstes Beffchen hatte mir meine Mutter genäht. Also, dieses „erste“ Beffchen hängt bei mir im Rahmen, weil ich es nicht mehr trage. Als ich es mit meinem Talar gekauft habe, war ich nämlich noch ein unierter Vikar und heute als ordinierter Pfarrer bin ich Lutheraner. Aber was hat das eigentlich mit dem Beffchen zu tun? Am Beffchen kann ich erkennen, welches Bekenntnis die Trägerin oder der Träger hat. Ist es z.B. bis zur Mitte zusammengenäht und dann in der zweiten Hälfte offen, ist die Trägerin oder der Träger uniert. In diesem Fall fühlt sich die Pfarrperson gleichermaßen dem reformierten als auch dem lutherischen Bekenntnis zugehörig. Aber welche Hälfte ist lutherisch und welche Beffchenhälfte ist reformiert? Zugenäht ist reformiert und offen ist lutherisch. Und damit ist auch schon die nächste Frage beantwortet. Ich trage heute ein Beffchen, deren beide Streifen nicht miteinander vernäht sind. Also lutherisch. Reformiert ist von oben bis unten vernäht. Ich habe da auch eine Eselbrücke, wie man sich merken kann. Aber die verrate ich nur im Vieraugengespräch.

Was aber ist der Ursprung dieses Beffchens? Der Name kommt aus dem Lateinischen von „biffa“ sprich Halsbinde. Dieses Kleidungsstück ist ursprünglich ein bürgerliches Accessoire gewesen. Es trugen Männer, um ihre Kleidung vor dem Bart zu schützen. Und genauso war es auch gedacht, als Friedrich Wilhelm III. von Preußen nicht nur den Talar, sondern auch das Beffchen als Teil der Amtstracht anordnete, an dem man die jeweilige evangelische Ausrichtung erkennen sollte.

Wichtig ist das Material. Es besteht aus naturbelassenem Leinenstoff, der von Hause aus cremeweiß ist. Damit wird eine Verbindung zu den Leinentüchern hergestellt, die der Jünger, den Jesus lieb hatte, und Petrus im leeren Grab Christi gefunden haben (Johannes 20.4-7). Auf diese Weise steht mit dem Beffchen zugleich auch die österliche Botschaft von der Auferstehung Christi im Mittelpunkt.

Also, ein Kleidungsstück mit mindestens doppelter Botschaft.

 

Pfarrer Martin Dubberke | Bild: Johannes Dubberke (https://johannes.pictures)
Pfarrer Martin Dubberke | Bild: Johannes Dubberke (https://johannes.pictures)

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Die ganze Serie auf einen Blick

KIRCHENAUSSTATTUNG: Folge 10 - Alles in Farbe - die liturgischen Farben

Alles in Farbe
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Die Kirche ist bunt, so bunt wie das Leben. Für alles gibt es eine Farbe. So wie es auch im Leben oder der Werbung Farben für bestimmte Situationen gibt. So denken wir bei Rot sofort an die Liebe. Blau finden wir oft bei Versicherungen oder bei koffeinfreiem Kaffee oder alkoholfreiem Bier. Blau steht auch für Vertrauen. Oder Gelb – da fällt einem sofort die Post ein. Und bei Magenta hören wir sogar eine bestimmte Tonfolge.

Aber was ist mit den Farben Grün, Rot, Weiß, Violett oder Schwarz, wenn wir sie in der Kirche sehen? Wissen wir heute noch, was sie bedeuten? Warum sind die Antependien

KIRCHENAUSSTATTUNG: Folge 9 - Die Abendmahlstücher - leider viel zu wenig im Blick

Die Abendmahlstücher
Bildrechte Martin Dubberke

Im Rahmen der Paramentik spielen auch die Abendmahlstücher eine wichtige Rolle. Sie werden von der Gemeinde in der Regel aber nicht als Teil der Paramentik wahrgenommen. Wer in einen evangelischen Abendmahlsgottesdienst kommt, kann immer sofort erkennen, dass es sich um einen solchen handelt, weil das Abendmahlsgeschirr, Kelch und Patene vorbereitet auf dem Altar auf einem Tuch stehen und von Tüchern verdeckt sind. Es gibt insgesamt vier Abendmahlstücher: Das Corporale, das Purificatorium, die Palla und das Velum.

Diese Tücher sind grundsätzlich weiß. Sie unterliegen nicht der liturgischen

KIRCHENAUSTATTUNG: Folge 8 - Die Altardecke - Mehr als nur ein Tischtuch

Die Altardecke
Bildrechte Martin Dubberke

Auf unserem Altar in der Johanneskirche liegt mittlerweile immer wieder eine Altardecke. Das ist eine gute alte kirchliche Tradition. Es ist der Tisch des Herrn und der Tisch des Herrn ist eben gut gedeckt. Das machen wir doch zu Hause auch, wenn wir Besuch bekommen. Wir legen unsere schönste Decke auf den Tisch und dekorieren ihn. Wir stellen unser bestes Geschirr auf den Tisch. Und genauso machen wir es mit dem Altar. Wir stellen schöne Blumen auf ihn, Kerzen, das Kreuz, die Heilige Schrift, eine schöne Altardecke, weil wir uns über die Gegenwart Gottes in unseren Gottesdiensten freuen. Aber

KIRCHENAUSSTATTUNG: Folge 7 - Das Antependium – der stumme Prediger

Antependium
Bildrechte Martin Dubberke

Das Antependium ist gewissermaßen ein Vorhang, denn der Begriff setzt sich aus den beiden lateinischen Worten ante = vor und pendere = hängen zusammen. Das Antependium hängt vor dem Altar oder als Pultbehang an der Kanzel und zuweilen auch am Ambo. Es ist zugleich Zeitansage und Predigt. Das Antependium ist der einzige Vorhang, der nicht verhüllt, sondern enthüllt. Aber ich muss ihn auch in seiner Symbolik zu lesen verstehen. So erkenne ich an der Farbe nicht nur, in welcher Zeit des Kirchenjahres ich mich befinde, sondern auch worum es in dieser Zeit geht, weil mit jeder Farbe eine Aussage

KIRCHENAUSSTATTUNG: Folge 6 - Das Collarhemd - eine protestantische Erfindung

Das Collarhemd - eine protestantische Erfindung
Bildrechte Johannes Dubberke

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich mal vor vielen Jahren in Berlin-Spandau auf dem Bahnhof stand. Ich war auf dem Weg nach Havelberg, wo ich einen Gottesdienst hatte. Die ganze Zeit ging vor mir ein Mann auf und ab und schließlich sprach er mich an: „Sind hier bei uns im Dekanat neu? Ich habe Sie bei uns noch nie gesehen.“ Der Mann hielt mich für einen katholischen Pfarrer, weil ich ein Collarhemd trug. Als ich ihm sagte, dass ich nicht der Neue im Dekanat sei, antwortete er: „Dann sind Sie sicherlich Lutheraner. Ich find’s gut, dass die Lutheraner Kollar tragen als Ausdruck der

KIRCHENAUSSTATTUNG: Folge 5 - Das Barett - praktisch - aus der Mode

Das Barett - praktisch - aus der Mode
Bildrechte Martin Dubberke

Das Barett ist aus der Mode gekommen, zumindest im Pfarrberuf. Beim Militär oder der Polizei ist das Barett nach wie vor aktiver Teil der Uniform. Und eigentlich ist das Barett auch Teil der pfarramtlichen Dienstkleidung, also des Talars, der ja als Dienstkleidung durch König Friedrich Wilhelm III. von Preußen eingeführt wurde. Ich kenne heute kaum noch Kollegen oder gar Kolleginnen, die ein Barett besitzen oder tragen. Ich habe meines damals von meinem Konfirmationspfarrer geerbt. Dafür bin ich ihm ewig dankbar, denn, wenn es im Winter auf den Friedhof geht, ist für mich die Kleiderfrage

KIRCHENAUSSTATTUNG: Folge 4 – Die Stola – Das Joch Christi

Die Stola - Das Joch Chrisi
Bildrechte Johannes & Martin Dubberke

Bis ich vor fünf Jahren nach Garmisch-Partenkirchen gekommen bin, hatte ich nicht ein einziges Mal eine Stola über dem Talar getragen. Und ich weiß noch, wie ich in einem Gottesdienst in der Johanneskirche meiner Frau zuraunte, dass ich niemals auf die Idee käme, eine Stola zu tragen. Heute käme ich mir ohne Stola nackt vor und manchmal halte ich Gottesdienste auch nur mit einer Stola über den Schultern.

Aber, was ist nun eine Stola, die in den vergangenen Jahren insbesondere bei den lutherischen Pfarrerinnen und Pfarrern immer beliebter und vor allem selbstverständlicher geworden ist? Auch

KIRCHENAUSSTATTUNG: Folge 3 – Das Beffchen – Eine Frage des Bekenntnisses

Das Beffchen
Bildrechte Martin Dubberke

In meinem Amtszimmer hängt ein Bilderrahmen mit einem Beffchen, also den beiden weißen Stoffstreifen, die man am Talar trägt. Es ist mein erstes – obwohl: mein allerstes Beffchen hatte mir meine Mutter genäht. Also, dieses „erste“ Beffchen hängt bei mir im Rahmen, weil ich es nicht mehr trage. Als ich es mit meinem Talar gekauft habe, war ich nämlich noch ein unierter Vikar und heute als ordinierter Pfarrer bin ich Lutheraner. Aber was hat das eigentlich mit dem Beffchen zu tun? Am Beffchen kann ich erkennen, welches Bekenntnis die Trägerin oder der Träger hat. Ist es z.B. bis zur Mitte

KIRCHENAUSSTATTUNG: Folge 2 - Der Talar - ein textiler Klassiker

Der Talar - Lehrgewand & zivile Uniform
Bildrechte Martin Dubberke

Mein Talar begleitet mich nun schon seit weit über dreißig Jahren. Er ist das Kleidungsstück, das ich am längsten in meinem Leben trage. Das Einzige, was ich mal gewechselt habe, war das Beffchen. Aber was das mit dem Beffchen auf sich hat, erkläre ich in der kommenden Woche.

Aber was ist der Talar? Ist er ein liturgisches Gewand? Nein! Luther, auch wenn wir noch so viele Bilder von ihm im Talar sehen, hat nie in seinem Leben einen Talar getragen. Er trug auch weiterhin die damals gebräuchlichen Messgewänder, die heute auch jeder katholische Kollege noch trägt. Und dennoch ist der Talar, die

KIRCHENAUSSTATTUNG: Folge 1 - Alles aus Stoff

Alles aus Stoff - Kirchentextilien
Bildrechte Martin Dubberke

In unseren Kirchen gibt es Altäre, Orgeln, Ambos, Kanzeln, Kreuze und vieles andere mehr. Aber welche Bedeutung haben sie? Wozu sind sie gut? Warum liegt z.B. auf einem Altar eine Altardecke und stehen Kerzen und Blumen auf ihm? In unserer neuen Serie wollen wir dem auf den Grund gehen. Dabei greifen wir unter anderem auch auf ein kleines Buch unserer Landeskirche für Mesnerinnen und Mesner zurück, das den Titel „Gib acht!“ trägt.

Folge 1: Textilien Allgemein

Ein Kapitel widmet sich dabei den Paramenten und Textilien. Doch was sind Paramente? Hierbei handelt es sich um liturgisch verwendete