An diesem Abend stellt Thomas Wipfelder von Rainer Maria Rilke die "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Briggs" vor. Rilkes "Malte" erschien 1910 und sorgte als erster moderner Roman der deutschen Sprache für ungeheures Aufsehen. Von Rilke selbst als "Prosabuch" bezeichnet, erwartete den Leser nämlich mitnichten ein klassischer, dem realistischen Erzählen verpflichteter Roman, als vielmehr eine scheinbar lose verknüpfte Abfolge von Tagebucheinträgen, die um Maltes Kindheit und seinen Aufenthalt als junger Mann in Paris kreisen. Von Unsicherheit und Ängsten getrieben versucht er verzweifelt, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, wobei ihm seine bislang erworbene Bildung keine große Hilfe ist.
Die Suche nach sich selbst, die Ängste des modernen Menschen in einer von Elend und Indifferenz durchdrungenen Gesellschaft, nicht zuletzt auch die überwältigende Sprachkraft des Autors verleihen dem Werk eine bis auf den heutigen Tag ungebrochene Aktualität - und uns eine schöne Gesprächsgrundlage an einem Abend in Partenkirchen.
