ANgeDACHT - Mut zur eigenen Wahrheit

Pfr. Hanns-Martin HagerIn bewegten Zeiten, wie wir sie momentan erleben, ist es besonders wichtig, darauf zu achten, was als „Wahrheit“ ausgegeben wird. Vor 500 Jahren sind mutige Menschen gegen die herrschende „Wahrheit“ der römisch-katholischen Kirche aufgestanden. Sie haben schreiende Mißstände aufgedeckt und eine neue, menschlichere, protestantische Wahrheit in den Schriften der Bibel entdeckt. Sie orientierten sich am Reden und Handeln des Jesus aus Nazareth, sie entdeckten das Potential seines zivilen Ungehorsams, seinen wahrhaft umstürzenden Umgang mit den Benachteiligten der damaligen Gesellschaft, z. B. den Frauen und den Kranken. Sie machten deutlich, was es heißt, die „Freiheit eines Christenmenschen“ zu leben. Johannes läßt in seinem Evangelium Jesus die Worte sprechen: „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“

Die Reformatoren hatten den Mut, den berühmten Satz von Jesus - „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben - niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ - neu und anders zu verstehen. Sie erkannten: Wenn einer sagt „Ich bin die Wahrheit“, dann gibt es zwischen dem sprechenden Ich und der Wahrheit keinen Unterschied. Und das gilt nicht nur für Jesus aus Nazareth, sondern für alle Menschen. Dann kommt man zu Gott, dem Vater (=dem Ursprung) nur, wenn man als frei denkendes Ich auf dem Weg des Lebens seine eigene Wahrheit entdeckt und ihr folgt. Und nicht einer autoritär von außen aufgezwungenen Wahrheit. Als der berühmte Forscher Galileo Galilei vor fast 400 Jahren den Inquisitoren der Kirche mit dem Fern- rohr beweisen wollte, daß die Sonne das Zentralgestirn unseres Planetensystems ist, weigerten sich die Kardinäle, hinzuschauen. Sie zwangen Galilei im Inquisitionsprozeß, seine Thesen zu widerrufen, ansonsten würde er auf dem Scheiterhaufen landen, wie 30 Jahre zuvor Giordano Bruno. Es galt nur die eine Wahrheit der Mächtigen. Und die besagte, daß die Erde im Zentrum des Weltgeschehens steht - und daß diese Erde eine Scheibe ist. Da gab es nichts zu diskutieren

Wer es heute wagt, die regierungsamtliche Wahrheit zu hinterfragen, die uns verkündet wird - die absoluten Zahlen und deren Einordnung hinsichtlich des Krankheitsverlauf eines noch nicht einmal nach wissenschaftlichen Standards isolierten Virus -, der kommt unweigerlich auch auf den Scheiterhaufen; der wird gebranntmarkt, der wird ohne jedes Argument diffamiert als Covidiot, als Corona-Leugner, als Verschwörungstheoretiker, als Rechter.

In Zeiten der politischen Absolutheitsansprüche und Alternativlosigkeiten ist es mehr denn je notwendig, die eigene Wahrheit zu suchen, ist es notwendig, das eigene Nachdenken zu aktivieren. „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Auf diesen Nenner brachte Immanuel Kant 1784 das, was man seither „Aufklärung“ nennt. Wer sich seines eigenen Verstandes bedient, findet seine eigene Wahrheit.

Schönwetter-Christentum oder echter Protestantismus? - Das ist die Frage. Beten wir unhinterfragt nach, was uns allabendlich in der Tagesschau erzählt wird oder haben wir den Mut, unsere eigene Wahrheit zu entdecken, in Orientierung an Jesus aus Nazareth, so wie es die Reformatoren vor 500 Jahren gewagt hatten? - Ich entscheide mich für den ursprünglichen Protestantismus.

Hanns-Martin Hager

PS

Nicht alle Menschen in unserer Gemeinde haben Internet. Wir legen daher in unseren Kirchen zu jedem Erscheinungstag ausgedruckte Exemplare in unsere Kirchen und falls Sie es einem Nachbarn oder einer Nachbarin mit einem kleinen Gruß in den Briefkasten stecken möchten, können Sie es sich gerne als PDF herunterladen und ausdrucken.

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