ANgeDACHT - Zehn Schätze

Pfarrerin Birgit SchielLiebe Schwestern und Brüder im Glauben, wie können wir Glück messen? Wir messen doch so viel und so gern: wie stark ist das Bruttosozialprodukt gewachsen? Wie viel Geld hat ein Unternehmen gemacht? Wie hoch muss der Versicherungsbeitrag sein, wenn ein Mensch raucht, trinkt und schon so und so alt ist? Wie viel Geld geben wir einem Pfleger für das Waschen und Anziehen eines alten Menschen? Wie viel Zeit darf er dafür maximal aufwenden? Wieviel darf ein Erzieher verdienen, der unsere Kinder für die Zukunft vorbereitet? Wieviel Zeit dürfen Eltern für ihre Kinder verwenden um sie zu liebevollen, aufrechten Menschen zu erziehen? Wir messen lauter Dinge, die unwichtig sind, wie schon der kleine Prinz von Antoine de Saint Exupéry erstaunt über uns Menschen feststellte.

Jetzt, in dieser besonderen Zeit, können wir zwar nicht in Zahlen, aber in Sehnsucht messen, was wirklich wichtig ist und eigentlich schon immer war: einen Freund besuchen und umarmen. Einfach gemütlich im Café sitzen und plaudern. Meine alten Eltern besuchen und in den Arm nehmen. Die Kinder miteinander spielen lassen. Kaum ist die Ausgangssperre gelockert, sieht man Menschen dies mit frohen Gesichtern nachholen. Nichts davon ist selbstverständlich. Es ist kostbar auf eine nicht messbare Art und Weise.

Zumindest nicht messbar durch Zahlen, Gewichte und Wirtschaftstabellen. Aber es gibt einen guten Weg, nicht zu vergessen, wie kostbar diese Dinge sind. Es gibt eine gute Art, seine Schätze zu zählen, ohne sie in eine Messtabelle pressen zu wollen. Zum Beispiel in dem wir Abends dankend aufzählen, worüber wir uns gefreut haben, was uns berührt hat.

Indem wir dies in der Form des Dankgebetes tun, machen wir uns bewusst: Nichts davon können wir machen, herbeizwingen oder für selbstverständlich erachten. Unglück kommt von allein, meckern ist leicht, aber das Gute muss man suchen, wählen und immer wieder aufzählen, sich bewusst machen. So lade ich Sie ein: Eine Woche, jeden Abend, zehn Schätze Abends dankend aufzählen. Nicht zum Glück messen, aber zum Glück schätzen.

Ihre Birgit Schiel


 

PS

Nicht alle Menschen in unserer Gemeinde haben Internet. Wir legen daher in unseren Kirchen zu jedem Erscheinungstag ausgedruckte Exemplare in unsere Kirchen und falls Sie es einem Nachbarn oder einer Nachbarin mit einem kleinen Gruß in den Briefkasten stecken möchten, können Sie es sich gerne als PDF herunterladen und ausdrucken.

 

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