ANgeDACHT - Was ist der Mensch?

Pfr. Hanns-Martin HagerWas ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? - fragt der Dichter des 8. Psalms. Seine Antwort lautet: Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Das unterstreicht die Aussage des Schöpfungsberichtes auf den ersten Seiten der Bibel. Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei … Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.

Was für eine hohe Würde spricht Gott uns da zu! Gott, das A und O, das Urprinzip, die höchste Form des Bewusstseins - Gott, der das Leben will, der es erschafft und erhält, macht uns Menschen zu seinen göttlichen Vertretern auf dieser Erde. Können wir den Anspruch dieses Auftrages ermessen? - Was ist aus diesem höchst würdevollen Bild des Menschen geworden - in den letzten Monaten?

Eine alte Dame, die die Kriegs- und Nachkriegszeit noch erlebt hat, sagte dieser Tage: „Damals, in der schlechten Zeit, sind wir zusammen gerückt, haben zusammengehalten. Heute ist der Mitmensch mein Feind.“ Der Mitmensch ist zum Gefährder geworden, zum Sicherheitsrisiko. Er könnte mich anstecken.

Ein anderes aktuelles Beispiel dafür, wozu das Bild des Menschen verkommen ist, bietet der Werbetext eines Trailers zu einem Computerspiel mit dem Titel „Corona-World“, das die Qualitätsmedien ARD und ZDF herausgegeben haben: „Kämpfe dich durch eine Armee von Vollidioten und Virenschleudern. Mach sie alle platt: Jogger, Party-Leute, hoch infektiöse kleine Kinder. Triff den gefährlichsten Endgegner der Video-Spielgeschichte: das Corona-Virus.“ Geschmackloser und menschenverachtender geht es nicht mehr. Hoch infektiöse kleine Kinder, die rein gar nichts dafür können, dass sie erkrankt sind, einfach platt machen. Niemand kann sich damit herausreden, dass das halt nur ein Spiel sei. - Wie tief ist das Bild des Menschen gesunken, versunken, ertränkt worden - in einer Gesellschaft, in der Menschen von den Leitmedien derart verunglimpft werden?!

Wie seit sechs Monaten in der Sprache und im direkten Verhalten mit Menschen umgegangen wird, die nach dem biblischen Zeugnis alle Ebenbilder Gottes sind, das ist alarmierend. Als Christen sind wir alle aufgerufen, hier unsere Stimme zu erheben. So darf vom Menschen, der von Gott nur wenig niedriger als er selbst geschaffen wurde, nicht gesprochen werden.

Das griechische Wort für Mensch - Anthropos - bedeutet: der Auf­ge­richtete, der nach oben hin Ausgerichtete.

Als Christen haben wir einen Auftrag. Wir sollen aufrecht hier und jetzt im Leben stehen, verwurzelt in der Tiefe unserer religiösen Tradition. Und wir sollen kritisch die Welt um uns herum wahrnehmen. Aufstehen und protestieren gegen Äußerungen und Maßnahmen aus Politik und Medien, die dem Menschen seine göttliche Würde rauben. Als Christen haben wir um Gottes Willen die Pflicht, uns gegen jede Entwürdigung des Menschen zu erheben. Lassen wir unser Licht leuchten in der Finsternis, in der die Mächtigen und Einflussreichen auf weiten Strecken offenbar vergessen haben, was der Mensch als von Gottes Wort geschaffenes Wesen ist. Tun wir das nicht, sind wir auf dem besten Weg, diesem göttlichen Anfang ein unmenschliches Ende zu bereiten.

Hanns-Martin Hager

Nicht alle Menschen in unserer Gemeinde haben Internet. Wir legen daher in unseren Kirchen zu jedem Erscheinungstag ausgedruckte Exemplare in unsere Kirchen und falls Sie es einem Nachbarn oder einer Nachbarin mit einem kleinen Gruß in den Briefkasten stecken möchten, können Sie es sich gerne als PDF herunterladen und ausdrucken.

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