ANgeDACHT - Pfingsten - Eine Vision

Pfr. Hanns-Martin Hager„Als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen … Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.“

Was damals in Jerusalem zu Pfingsten zur Gründung der Kirche führte, wäre im Jahr 2020 unmöglich. Würden sich heute die Apostel einfach so in einem Haus versammeln und eine große Menschenmenge käme zusammen ohne den derzeit gebotenen Mindestabstand, fände sich bestimmt ein übereifriger Bürger, der diese Großveranstaltung auf zu engem Raum bei den Behörden melden würde. Die staatliche Ordnungsmacht würde die Versammlung auflösen. Dem Veranstalter würde eine Ordnungswidrigkeit zur Last gelegt. Die Gazetten würden in vorwurfsvollem Ton vom unverantwortlichen Tun der Beteiligten berichten. Gottesdienste mit vielen Menschen, Gemeindefeste, Kirchentage - solche Veranstaltungsformate sind aktuell für unbestimmte Zeit untersagt.

Was bedeutet das für die Zukunft? Wie sieht die kommende Gestalt der Kirche aus, wie ihre Würde? Zu Pfingsten 2020 müßte sich der Heilige Geist etwas Neues einfallen lassen, um seine Energie den Menschen zugänglich zu machen. Hier eine Vision: Die Kirche von morgen macht sich frei von der unterwürfigen Freude eines „Jetzt dürfen wir wieder mit Abstand Gottesdienst feiern“. Sie legt den gesenkten Blick des Bedürftigen ab, der seinem Gönner für das milde Almosen dankt. Sie braucht keine imposanten Gebäude und ebensowenig eine staatliche Erlaubnis, um sich zu versammeln. Sie trifft sich in kleiner Zahl in Privathäusern, wohl wissend: Wo zwei oder drei in Jesu Namen versammelt sind, ist er mitten unter ihnen. Die kommende Kirche befreit sich von jeder staatlichen Bevormundung, sie lebt die „Freiheit eines Christenmenschen“ jenseits von Kontrolle und Überwachung im ungeschützten Raum: in unscheinbaren Häusern genauso wie auf Plätzen, wo die Not und die Zuversicht eine neue Sprache spricht, so daß sich eine bislang ungeahnte Verständigung ereignet über kulturelle Grenzen hinweg.

Der Heilige Geist von Pfingsten weht nicht, wo er nach der Vorstellung der weltlichen wie kirchlichen Amtsträger wehen soll. Der Heilige Geist von Pfingsten weht, wo immer er will, und schafft ungeahnt Neues. Das mag den bürokratischen Planern Angst machen. Den wirklich Gläubigen erfüllt es wie damals mit grenzenloser Zuversicht.

Hanns-Martin Hager

PS

Nicht alle Menschen in unserer Gemeinde haben Internet. Wir legen daher in unseren Kirchen zu jedem Erscheinungstag ausgedruckte Exemplare in unsere Kirchen und falls Sie es einem Nachbarn oder einer Nachbarin mit einem kleinen Gruß in den Briefkasten stecken möchten, können Sie es sich gerne als PDF herunterladen und ausdrucken.

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