ANgeDACHT - Die Sache mit der Überraschung

Pfarrerin Birgit SchielLiebe Gemeinde,
Sie kennen vielleicht noch eine Werbung vergangener Tage: Eine Mama will zum Einkaufen fahren und das Kind ruft hinterher: „Mama, Mama, bring mir was mit. Was zum Spielen, und Schokolade. Und eine Überraschung!“ Die Mama steht etwas überfordert da, aber im Supermarkt entdeckt sie, Gott sei Dank, das Überraschungsei. Spiel, Spaß, Spannung UND Schokolade. Alles drin in EINEM Ei. Das Kind freut sich, die Mama darf sich als gute Mutter fühlen.

Manchmal geht es mir mit der Trinität auch so. Vater, Sohn und Heiliger Geist. Alles drin in EINEM Gott. Eigentlich praktisch, aber versuchen Sie mal, Trinität so einfach wie ein Überraschungsei zu erklären. Letzen Sonntag feierten wir das Fest Trinitatis, zu Ehren des Gottes, der Drei in Einheit ist. Aber was bedeutet mir so ein Gott? Was bedeutet für mich persönlich Trinität?

Es gibt verschieden Aspekte der Trinität, die wichtig sind und interessant, aber der wohl wichtigste ist die Beziehung, die Gott schon in sich selbst hat. Gott ist ein Gott, der in sich ruht und zugleich voller Leben, Liebe und Dynamik ist. Er ist der liebende Vater, der geliebte Sohn und die Liebe selbst, der Heilige Geist. Gott ist rundum zufrieden mit sich.

Darum ist die Trinität auch so toll, weil sie uns klar macht: Gott braucht uns nicht im geringsten! Er braucht keine Anbetung und Liebe von uns. Er ist sich selbst eigentlich genug. Das ist deshalb so toll, weil klar wird: Wenn Gott uns geschaffen hat und die ganze Welt um uns herum, dann deshalb, weil er uns WOLLTE. Er wollte uns, nicht um fern weit weg, im Himmel angebetet zu werden, nicht um über uns zu herrschen, nicht um uns in die Welt zu setzen und uns dann für immer allein zu lassen. Gott wollte uns, weil er uns in seine perfekte, wunderbare, liebevolle Beziehung mit reinnehmen wollte. Spiel, Spaß, Spannung UND Schokolade. Vater, Sohn, Heiliger Geist UND der Mensch. Gott mit uns – Immanuel.

Was für ein toller Gedanke! Gott WILL uns und er will uns für eine liebevolle Beziehung zu ihm, voller Dynamik, Leben und Liebe. Der Sinn und Zweck unseres Daseins.

Wie wir alle aus den Nachrichten wissen: das Leben ist nicht nur voller Liebe. Wir stecken manchmal fürchterlich fest in alten Gedankenmustern, Gewohnheiten, Gesellschaftsmustern, Kulturen, in unseren Verletzungen und Empfindlichkeiten und sind überhaupt nicht dynamisch. Und wir rennen oft gefühls- und gedankenabgestumpft durch die Welt wie Zombies, heutzutage sichtbarer durch das Smartphone in der Hand (sogenannte Smombies…), also von Lebendigkeit auch wenig zu spüren. Von der Liebe fange ich gar nicht erst an, da kann keiner sagen, er hätte alle Liebe gegeben, wie er sie hätte geben können und sollen.

Hat der in sich perfekte, liebende, lebendige Gott mit uns einen Fehlern gemacht? Vater, Sohn, Heiliger Geist UND der Mensch funktionieren halt einfach nicht? Nein, natürlich nicht. Gott wusste: Wer nicht Gott ist, kann unmöglich diese Liebe verstehen und ständig liebevoll und lebendig und dynamisch sein.

Aber Gott will diese Beziehung mit uns, alles muss eingeschlossen sein: Freude und Leid, Hoffnung und Not, Angst und Kälte und Hass, Leben und Tod. Sogar Corona. Schöpfung, Erlösung und die Verwandlung, die ständig von einem ins andere geschieht.

Irgendwie müssen wir ja Gottes Sprache der Liebe verstehen. Und deshalb braucht es Jesus, der ganz Mensch und ganz Gott ist. Der die in sich perfekte Beziehung zum Vater und Geist kennt UND die ganzen unperfekten Beziehungen von uns Menschen. Der geboren wird, wie wir, der lebt und leidet, wie wir, der stirbt, wie wir, und der aufersteht und sich verwandelt – wie wir, eines Tages. Angesichts eines solchen Gottes spüre ich einen solchen Appetit, eine solche Lust auf diesen Gott, der mich in der Tiefe versteht, mit meinem Schatten und Schäden und Tränen, mit meinem Lachen und Verstehen und Lieben – kein Schokohunger der Welt könnte mit meinem Appetit auf diesen Gott mithalten. Da will ich mich nicht mehr mit weniger zufrieden geben, ich will ALLES! Vater, Sohn, Heiliger Geist UND mich, mittendrin, mit dabei, lebendig sogar in Traurigkeit, dynamisch und immer wieder neu. Ich wünsche Ihnen auch eine Lust am Entdecken dieses Gottes, der Sie will und liebt, ich wünsche Ihnen den Segen des Dreieinigen Liebenden : Die Gnade unseres Herren Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Herzlich
Ihre Pfarrerin Birgit Schiel

Tags: