ANgeDACHT - Die Frage

Pfarrer Hanns-Martin HagerWenn ich die täglich fast gleich klingenden Meldungen zur aktuellen gesundheitspolitischen Lage in den Nachrichten höre, regt sich in mir eine Stimme, die sagt: „Ich frage mich, wo das alles hinführt?“ Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Dann fragen Sie sich. Obwohl es scheinbar ein und dieselbe fragende Person ist, umfasst sie offenbar zwei voneinander verschiedene „Instanzen“: ein „Ich“, das fragt, und ein „mich“, das gefragt wird. - Vielleicht halten Sie das hier für spitzfindige Wortklauberei. Das ist es aber nicht. Das fragende „Ich“ ist das, was unsere äußerlich sichtbare Persönlichkeit ausmacht: unser Name, unser Aussehen, unser Alter samt Beruf und sozialer Stellung. Das „mich“, das befragt wird, ist dagegen etwas, was von außen für andere Menschen unsichtbar ist. Es ist etwas, was weder genau beschrieben noch auf irgendeine Weise abgebildet werden kann. Es kann „Gewissen“ genannt werden.

Wenn man den christlichen Mystikern vergangener Jahrhunderte folgt, wie z.B. Meister Eckhart, dann ist das Gewissen der „ortlose Ort“ im Menschen, von dem aus Gott „seine Stimme im Menschen erschallen lässt“. „Ich frage mich“ bedeutet dann: Der äußere, irdische Mensch fragt den inneren, göttlichen, ewigen Menschen.

Die Stimmen der Regierenden rufen uns zu: „Seid gehorsam! Befolgt alle Euch auferlegten strengen Verhaltensregeln genau.“ - Das mag aus Sorge und Verantwortung für die Menschen in unserem Land geschehen.

Ich frage mich - befrage mein Gewissen, ich hinterfrage die Anordnungen, welche soziale Isolation, Vereinsamung und wirtschaftlichen Ruin für viele Menschen zur Folge haben.

In der urchristlichen Überlieferung wird die Forderung nach Gehorsam gegenüber den Herrschenden so beantwortet, dass dem Höheren, Größeren und Ewigen immer der Vorrang gebührt. In der Apostelgeschichte des Evangelisten Lukas sagen Petrus und die anderen Jünger klar und deutlich: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ - Die Betonung liegt auf dem Wort „mehr“. Gehorsam gegenüber der - begrenzten und endlichen - staatlichen Obrigkeit ja, aber mehr Gehorsam gebührt dem, was über alle weltliche Herrschaft hinaus geht, - also Gott!

Er macht uns nicht Angst wie die Regierenden, er macht uns Mut, ihm zu vertrauen.

Was antwortet Ihnen Ihr Gewissen, wenn Sie es befragen?

Hanns-Martin Hager


PS

Nicht alle Menschen in unserer Gemeinde haben Internet. Wir legen daher in unseren Kirchen zu jedem Erscheinungstag ausgedruckte Exemplare in unsere Kirchen und falls Sie es einem Nachbarn oder einer Nachbarin mit einem kleinen Gruß in den Briefkasten stecken möchten, können Sie es sich gerne als PDF herunterladen und ausdrucken.

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