Schützenscheiben im Wandel der Zeit

Mit einer Ausstellung von Schützenscheiben – die älteste datiert von 1736 und stammt aus Farchant – soll die Dorfgalerie in Grainau neu belebt werden. Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde haben sich dem Thema angenommen.

„Was bräuchte es, um die Dorfgalerie am Kreppbach neu zu beleben?“ Mit dieser Frage trat der evangelische Pfarrer Gerhard Detzer, für den Sprengel Grainau seiner Kirchengemeinde verantwortlich und darüber hinaus Kunstbeauftragter für den Kirchenkreis München und Oberbayern, an Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) heran. „Bürger, die das ehrenamtlich übernehmen“, lautet die kurze und knappe Antwort. Detzer und sein Team sprangen ein. Der von ihm gegründete Kunstausschuss der Kirchengemeinde, zu dem Eveline und Manfred Eberle, Inge Rogall, Bärbel Kasischke und Traudi Anzenberger gehören und die auch das Literaturfest gestalten, übernahmen. Geplant wird zunächst für ein Jahr. Ihnen zur Seite stand von Anfang an der bekannte Bildhauer Karl Buchwieser: „Ich bin froh, dass es weitergeht.“ Auf seine Anregung hin – er war selbst einmal Schützenkönig – wurde das Thema „Schießscheiben – Grainau und Umgebung“ für die erste Ausstellung favorisiert.

Schützenscheiben aus Holz haben eine lange Tradition. Vor allem im Werdenfelser Land, im bayerischen Raum überhaupt und in Tirol gibt es noch viel Wissen um die gedrechselten, geschnitzten und bemalten Scheiben. Es sind Volkskünstler, die diese Tradition lebendig halten und ihr Handwerk verstehen. Längst wird nicht mehr auf diese Scheiben geschossen, sondern sie sind Dekoration, Andenken oder Geschenk für die Schützenkönige in den entsprechenden Vereinen.

Viele hochwertige Scheiben, die älteste von 1736 aus Farchant mit 97 Zentimetern Durchmesser, hat Manfred Eberle in den vergangenen Wochen zusammengetragen. „Die Grainauer Schützengesellschaft D’Waxelstoana hat mich dabei bestens unterstützt“, erzählt der pensionierte Handwerker. Erfolg bei der Ausleihe hatte er auch im Werdenfels Museum bei Josef Kümmerle, beim Schützenverein SG Kuhflucht Farchant und auch in Bad Kohlgrub. Seine Frau Eveline kümmerte sich derweil um die wichtige Dokumentation, gestaltete einen Ordner, in dem all das, was aus Platzmangel nicht gezeigt werden kann, auf Fotos zu betrachten ist. Gängige, humorvolle Sprüche wie „Ist d’Kugel ausm Lauf, halt’s koa Teufel mehr auf“ ergänzen die Präsentation.

Inzwischen sind von Buchwieser alte Dachschindeln im vorderen Raum an den Wänden angebracht, damit die Scheiben besser zur Geltung kommen. Auch das Plakat, die Gestaltung mit Schützenkönigpuppe und Schießgerätschaft tragen seine Handschrift. Sogar einen Heiligen Sebastian, den Schutzpatron der Schützen, hat er extra geschnitzt. Auch die wertvolle Grainauer Schützenkette wird nicht fehlen – die muss der Besucher einfach betrachten dürfen. Viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit wurden investiert. Am Freitag, 9. Juni, um 19 Uhr ist es dann soweit: „Mit der Vernissage der Schießscheiben-Ausstellung, zu der Bürgermeister Märkl sein Kommen bereits zugesagt hat, wird die Grainauer Dorfgalerie wiederbelebt“, sagt Detzer.

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 7.6.2017, Margot Schäfer


Geöffnet ist die Ausstellung bis Freitag, 7. Juli, immer freitags, samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr.


 


Bild: Viel Herzblut haben (v.l.) Eveline Eberle, Karl Buchwieser, Gerhard Detzer und Manfred Eberle in die Ausstellung „Schießscheiben – Grainau und Umgebung“ investiert. foto: Sehr