Pfarrer Lichteneber geht nach Hersbruck

Herzliche Einladung zum Abschiedsgottesdienst mit anschl. Empfang am Sonntag, 8. Oktober 2017, 15 Uhr, Christuskirche Garmisch, St.-Martin-Str. 50, 82467 Garmisch-Partenkirchen

Pfarrer Lichteneber schreibt: „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen …“ (Rilke) -  Mit diesem Bild der wachsenden Lebensringe von Rilke möchte ich mich von Ihnen verabschieden. Im Oktober trete ich eine neue Pfarrstelle als Gemeindepfarrer in Hersbruck bei Nürnberg an. Meine Entscheidung, Garmisch-Partenkirchen nach über sechs Jahren zu verlassen, hat rein familiäre Gründe. Mit der Geburt unseres Enkelkindes Paul zieht es meine Frau und mich wieder stärker zurück in die Heimat. Aber nicht nur Sohn, Schwiegertochter und Enkelkind befinden sich dann in unmittelbarer Nähe meines zukünftigen Wirkungsortes, sondern auch Eltern, Schwiegereltern und Geschwister. Ich habe die Menschen im Werdenfelser Land immer wieder als sehr heimatverbunden erlebt und hoffe daher auf Verständnis für meine Entscheidung.

Das Leben und das Arbeiten hier in Garmisch-Partenkirchen habe ich als gut und fruchtbar erlebt. Viele Menschen sind mir in dieser Zeit ans Herz gewachsen. Ist ja auch klar: Als Gemeindepfarrer ist man in erster Linie „Beziehungsarbeiter“, so zumindest nach meiner Auffassung, und gerade die gewachsenen Beziehungen und das daraus entstandene Vertrauen machen mir den Abschied besonders schwer. Ich denke vor allem auch an das Team der hauptamtlichen Kollegen und Kolleginnen, mit eingeschlossen die gute Ökumene, an die Evangelische Jugend mit den vielen guten authentischen Begegnungen auf Gemeinde- und Dekanatsebene. Auch die Berggottesdienste und die spirituellen Bergtage in Kooperation von Evangelischem Bildungswerk und Katholischem Kreisbildungswerk werden mir in sehr guter Erinnerung bleiben. Die Zusammenarbeit mit der Garmisch-Partenkirchner Tafel, dem Kriseninterventionsdienstes (KID) und der „Lebenslust“ (Zusammenschluss von Diakonie, Caritas, Bayerisches Rotes Kreuz, Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe, Sozialdienst katholischer Frauen, Rummelsberger Diakonie, Kinderklinik und dem Katholischen Kreisbildungswerk) haben mir sehr viel bedeutet.

Ich danke für die Erfahrungen als Pfarramtsführer der Kirchengemeinde Garmisch-Grainau und für die Erfahrungen aus dem Prozess des Zusammenschlusses zur Evang.-Luth. Kirchengemeinde Garmisch-Partenkirchen. Das war ein anstrengender Weg, nicht immer ganz einfach - doch zuletzt eine großartige Erfolgsgeschichte. Ich danke besonders den Mitgliedern der Kirchenvorstände für ihren unermüdlichen Einsatz.

Der Spagat als Stellvertretender Dekan zwischen Kirchengemeinde und Dekanat war für mich manches Mal eine Herausforderung - auch hier habe ich viel erfahren und danke für die Zeit der vertraulichen Zusammenarbeit mit Dekan Axel Piper und dem Dekanatsausschuss.

Ein großes Anliegen waren für mich lebendige, stimmige Gottesdienste. Die hervorragenden Musiker und Musikerinnen im Werdenfelser Land haben dazu einen großartigen Beitrag geleistet und ihr Können sehe ich als großen Schatz. Besonders gerne denke ich an die Veranstaltungen mit unserem Chor „Feuer und Flamme“, mit der Kantorei und den bewegenden Kantatengottesdiensten.

Nicht zu vergessen die vielen seelsorgerlichen Begegnungen und das Engagement im Stillen …

Im Sinne von Rilke ist meine Zeit in Garmisch-Partenkirchen und im Dekanat Weilheim kein Kapitel eines Buches, welches ich jetzt „zuschlage“, sondern ein für mich weiterer Lebensring (wie die Jahresringe eines Baumes), welcher alle weiteren Ringe in der Zukunft prägen und beeinflussen wird.

Das Motiv, welches mich als Gemeindepfarrer stets geleitet hat und immer noch leitet, ist nicht die „perfekte und vollkommene“ Gemeinde, sondern ein gleichberechtigtes Miteinander, gegenseitige Wertschätzung und gelebtes Vertrauen. Dies zu leben und zu verwirklichen war mein Bestreben, wohl wissend, dass auch dieser Anspruch nicht in Perfektion und Vollkommenheit erfüllbar ist.

Die Kirchengemeinde Garmisch-Partenkirchen steht vor großen Herausforderungen: Die Umsetzung der Fusionsvereinbarung, das aufwändige Immobilienmanagement und die bevorstehenden Personalveränderungen. Bei all den Umbrüchen wünsche ich Gottes Segen und gutes Gelingen.

Herzlichst

Ihr Pfarrer Thomas Lichteneber

Bild: Pfarrerin Irene Konrad, Pfarrer Thomas Lichteneber und Pfarrer Manfred Reitlinger, Foto: Buchwieser