Meinungsumfrage am Thesentor

Garmisch-Partenkirchen – Der Schrift nach stammt die Nachricht von einem Kind: „Ich wünsche mir eine fröhliche Kirche“ ist auf einem Zettel am Thesentor auf dem Garmisch-Partenkirchner Richard-Strauss-Platz zu lesen. Daneben finden sich viele andere Meinungen, wie „Alle Pfarrer sollten heiraten dürfen“, „Geschiedene am Abendmahl teilnehmen können“, „Auf den Glauben vertrauen“, „Die Ökumene als Zukunft der Kirche sehen“.

Im Durchschnitt werden täglich 15 neue Thesen angeschlagen. „Ein solches Bedürfnis zur öffentlichen Meinungsäußerung habe ich nicht für möglich gehalten“, sagt Professor Dr. Klaus Schäfer, Vertrauensmann der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Garmisch-Partenkirchen. Ein Ehrenamt, das er sich mit Vertrauensfrau Janine Lobenhofer teilt. Regelmäßig nehmen die Verantwortlichen die Anschläge ab und sammeln sie. Ein ganzer Wäschekorb voller Zettel ist seit Ostern zusammengekommen. „Natürlich sind auch Schmierereien dabei, und häufig müssen die Plakate erneuert werden, aber insgesamt sind unser ökumenischer Arbeitskreis und die Initiatoren mit der Resonanz sehr zufrieden“, sagt Bernadette Heindl, katholische Jugendseelsorgerin für die Dekanate Werdenfels und Rottenbuch.

Unter Anleitung ihrer Fachlehrer Christoph Leuner und Anton Wackerle hatten Lehrlinge der Berufsfachschule für Schreiner der hiesigen Schulen für Holz und Gestaltung nach der Idee der Theatergruppe Creme Frech das Thesentor gestaltet und gebaut. Diese öffentliche Meinungsumfrage spielt eine wichtige Rolle beim Ökumenischen Kirchentag (7. bis 16. Juli in Garmisch-Partenkirchen). Sie ist die Grundlage für die Podiumsdiskussion „Alles beginnt mit der Sehnsucht“ am Donnerstag, 13. Juli, ab 20 Uhr im Olympiasaal des Kongresshauses. Zuvor wollen die Pfarrer der verschiedenen Konfessionen auf einige der Meinungen im Rahmen von Gottesdiensten und Messen eingehen. „Zusammenfassend planen wir eine Broschüre, die dann in den Gemeinden ausliegt“, verrät Lobenhofer.

Wer will, kann sich immer noch am bunten Thesentor zum Thema „Wie stelle ich mir die Kirche der Zukunft vor?“ äußern.
Gap-Tagblatt, 28.6.2017, msch


Freuen sich über viele Meinungen: Professor Dr. Klaus Schäfer, Vertrauensmann der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde, und die katholische Jugendseelsorgerin Bernadette Heindl betreuen mit vielen anderen das Thesentor. Foto: msch