Kleiner Beitrag, große Freude

Viele ältere Menschen leben am Existensminium: Seniorenhilfe Sonnenschein Oberland sucht dringend Paten / „Wir haben in unserer Region viele bedürftige ältere Mitbürger mit kleiner Rente, die dringend Unterstützung bräuchten. Aber uns gehen die Paten aus.“ So lautet der Hilferuf von Diakon Klaus Lobenhofer im Namen der Seniorenhilfe Oberland „Sonnenschein“. Die Initiative von Caritas und Diakonie in Garmisch-Partenkirchen kämpft zusammen mit den Kirchen gegen Altersarmut und Vereinsamung. Gesucht werden Menschen, die andere finanziell helfen können.

Ansprechpartner vor Ort, Unterstützung bei Notlagen, Beratung in Alltagsangelegenheiten, Senioren eine Stimme geben, Begegnungen und Erlebnisse durch Veranstaltungen und Reisen – um all das geht es bei der Seniorenhilfe. „Gerade die Busfahrten, die wir ab 2017 gemeinsam mit dem Seniorentreff Aschenbrenner machen, erfreuen sich wachsender Beliebtheit“, erklärt der Diakon.

Kostengünstig, zugeschnitten auf ältere Menschen und betreut durch ehrenamtliche Reisebegleiter können dabei auch diejenigen mitfahren, die es sich sonst kräfte- und gesundheitsmäßig nicht mehr zutrauen würden. Der Vorteil: Man kommt mal wieder aus den eigenen Wänden heraus, erlebt Neues, knüpft Kontakte und gewinnt ein Stück Lebensqualität hinzu. Bei denen, die sich die Fahrten nicht leisten können, springen die Hilfsorganisationen finanziell ein und organisieren Zuschüsse. „Trotzdem erlebe ich es dann immer wieder, dass nicht jeder der Mitreisenden eine Tasse Kaffee oder ein Stück Kuchen bezahlen kann“, sagt Lobenhofer. Ein mitgebrachtes Butterbrot, ein Schluck Wasser müssen gegen Hunger und Durst genügen.

Aber nicht nur für den kleinen Luxus von Kaffee und Kuchen, auch für die dringend notwendige neue Matratze, warme, rutschfeste Winterschuhe, den Friseur oder die Fußpflege bleibt bei einigen am Monatsende nichts übrig. Wer nur 200 Euro Rente hat, die durch Grundsicherung über das Sozialamt auf 400 Euro aufgestockt werden, lebt am Existenzminimum. Und das sind laut Lobenhofer nicht wenige.

Betroffen ist die Generation, die Deutschland nach den Zweiten Weltkrieg mit aufgebaut hat. „Viele schämen sich, weil sie zuvor ihr Leben immer gemeistert haben. Sie wollen auch jetzt niemandem zur Last fallen“, erklärt Nadja Braun von der Caritas-Beratung. Für sie sei es der Horror, beim Sozialamt überhaupt einen Antrag zu stellen.

Patenschaften können also kleine Wunder bewirken, haben schon so manchen älteren Menschen ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. „Pate und Begünstigter bleiben selbstverständlich anonym. Nur auf ausdrücklichen Wunsch beider wird ein Kontakt vermittelt“, erklärt Caritas-Chef Alexander Huhn. Er versichert, dass das Geld eins zu eins dort ankommt, wo es gebraucht wird und im Landkreis bleibt. Eine Spendenquittung ist selbstverständlich. „Im eng kalkulierten Alltag sind diese Patenschaften ein kleiner Freudenstrahl, denn Lebensqualität ist mehr, als nur versorgt zu sein“, lautet sein Plädoyer.

In der Regel wird für ein Jahr eine Bindung eingegangen – die dann verlängert werden kann. Pro Monat ist eine Zuwendung von Minimum 25, maximal 50 Euro vorgesehen. Willkommen sind aber auch Einmalspenden.

Die Ansprechpartner bei der „Sonnenschein“-Seniorenhilfe Oberland, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Hindenburgstraße 39 sind Monika Wehrsdorf, Nadja Braun und Klaus Lobenhofer. Erreichbar sind sie unter (08821) 90 85 91

von margot schäfer (Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 5.7.2016)