Fusion bestätigt

Bislang eigenständige evangelisch-lutherischen Gemeinden künftig unter einem Dach / Jetzt ist es amtlich: Die evangelisch-lutherische Landeskirche hat die Fusion der beiden bisher eigenständigen Kirchengemeinden Garmisch-Grainau und Partenkirchen mit Burgrain, Farchant und Oberau bestätigt. „Der Kirchengemeinde Garmisch-Partenkirchen wurde mit Wirkung vom 1. Januar vom Freistaat Bayern die Eigenschaft einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen“, heißt es im offiziellen Schreiben des Landeskirchenrats. Zum Pfarramtsführer wurde Pfarrer Manfred Reitlinger bestellt.

Das Besondere: Die Fusion wurde nicht von oben verordnet, sondern der Wunsch kam von den Gemeindemitgliedern und gewählten Kirchengremien. „In einer unserer ersten Klausurtagungen nach der Neuwahl des Kirchenvorstandes 2012 stand die Idee bereits auf der Tagesordnung“, erklärt Professor Dr. Klaus Schäfer. Er ist Vertrauensmann der bisherigen Garmisch-Grainauer Kirchengemeinde und teilt sich das Amt jetzt mit der bisherigen Partenkirchner Vertrauensfrau Janine Lobenhofer. „Parallel dazu haben wir auch in Partenkirchen darüber geredet“, bestätigt sie. „Schließlich waren die Gemeinden früher eins.“

Was in den einzelnen Sprengeln seit mehr als 70 Jahre gewachsen war, sahen vor allem ältere Gläubige durch die geplante Fusion in Gefahr. „Zusammenarbeiten ja, Zusammenlegung der beider Kirchengemeinden nein“, formulierten sie ihre Sorge. „Da wir alle mitnehmen wollten, haben wir immer wieder das Gespräch gesucht, zum Mitgestalten eingeladen und nichts überstürzt“, erläutert Diakon Klaus Lobenhofer, Leiter des Fusionsausschusses, den Gesamtprozess. Jetzt ist in der Vereinbarung verankert, dass alle sechs Gotteshäuser und die vier Pfarrstellen erhalten bleiben. Die Mehrheit der evangelischen Christen hatte von Anfang an das gemeinsame öffentlichkeitswirksame Auftreten mit einem einheitlichen Erscheinungsbild auch für Gäste und Touristen und das Bündeln der Kräfte als Vorteile gesehen. Seit die Pfarrer Stefan Blumtritt (Garmisch), Manfred Reitlinger (Partenkirchen), Martin Hager (Klinikseelsorge) und später Irene Konrad, Thomas Lichteneber und Gerhard Detzer ihre Ämter übernommen hatten, wurde in der Kinder-, Jugend-, Konfirmanden- und Seniorenarbeit und kirchenmusikalisch zusammengearbeitet, ein einheitlicher Gemeindebrief und Internetauftritt erstellt, die Gottesdienste mit Kur- und Urlauberseelsorge abgestimmt. Auch die gewählten Kirchenvorstände tagten regelmäßig gemeinsam.

„Der Zusammenschluss war die logische organisatorische und gewünschte Folge dessen, was sich entwickelt hatte“, erklärt Pfarrer Lichteneber. Man habe sich damit gut für die Zukunft aufgestellt, denn obwohl sich die Zahl der evangelisch-lutherischen Gläubigen in den vergangenen Jahren bei circa 5500 Mitgliedern eingependelt habe, muss dem demografischen Wandel Rechnung getragen werden. „Unser neues gemeinsames Erscheinungsbild können wir im Lutherjahr mit dem Theaterprojekt in der Johanneskirche und dem historischen Markt ringsherum im Rahmen des Ökumenischen Kirchentags und unter dem Thema „Aufbruch“ wirksam in die Öffentlichkeit tragen“, sagt Pfarrer Reitlinger.

Organisatorisch ändert sich zu nächst wenig, denn die Ansprechpartner in den einzelnen Sprengeln bleiben. Inhaltlich gibt es für die Zukunft eine Menge Ideen, um Kirche attraktiver zu machen. Auf der Thesentür vor der Johanneskirche und auf einem großen Thesentor, das noch vor Ostern auf dem Richard-Strauss-Platz aufgestellt werden soll, können nicht nur Gläubige ihre Meinung zur „Kirche der Zukunft“ anschlagen und damit Neues anregen. Und schließlich wird mit einem Festgottesdienst in der Johanneskirche, bei dem der evangelische Altbischof Wolfgang Huber am 10. November predigen wird, die Fusion gemeinsam gefeiert.

Margot Schäfer, Garmisch-Partenkirchner Tagblatt - 9.2.2017

Bild: Haben die Fusion maßgeblich gestaltet: (v.l.) die Pfarrer Thomas Lichteneber und Manfred Reitlinger, Janine Lobenhofer und Diakon Klaus Lobenhofer sowie Klaus Schäfer. foto: msch