Das Wort zum Sontag

Jedes Leben trägt den Keim des Todes in sich / Johannis-Feuer, Johannis-Würmchen, Johannis-Beeren, Johannis-Wein, Johannes-Kirche…. Die Liste ließe sich noch beliebig weit fortsetzen. Wir feiern den längsten Tag und die kürzeste Nacht – die Sommersonnwende.

Ist das wirklich ein christliches Fest? Geht es nicht auf die keltischen Beltanefeiern zurück? Natürlich wurde der Gedenktag des Johannes des Täufers ganz bewusst und mit Bedacht auf den 24. Juni gelegt. Nach dem Lukas-Evangelium ist Johannes sechs Monate älter als Jesus, dessen Geburt genau zur Wintersonnwende gefeiert wird.

Und natürlich haben sich die Kirchenväter, die diese Festtage genau so gesetzt haben etwas dabei gedacht. Mitten im Winter, mitten in der tiefsten Dunkelheit erscheint Christus, das Licht der Welt. Und mitten im Sommer, wenn die Tage am längsten sind, die Hitze am größten ist und das Licht am hellsten, weist Johannes auf das Kommen Jesu hin.
Denn wenn alles auf dem Höhepunkt ist, die Vegetation, der Sommer, das Leben, dann wissen wir, ab jetzt geht es kontinuierlich bergab. Ab jetzt wird es weniger. In allem was wird, wächst und gedeiht, ist der Tod schon mit angelegt. Jedes Leben trägt den Keim des Todes in sich.

Wenn wir „nur“ die Sommersonnwende feiern würden, dann hätte dieser Tag tatsächlich vor allem diese Traurigkeit. Ab jetzt beginnt das Sterben. Aber wir feiern eben nicht Sommersonnwende, wir feiern Johanni.
In der katholischen Kirche ist dieses Fest sogar ein Hochfest. Das Johanni-Fest sagt uns: Ja, es wird wieder dunkler, die Tage werden kürzer. Auch Dein Leben wird kürzer, auch Deine Lebenskraft geht zur Neige. Aber fürchte Dich nicht. In der tiefsten Dunkelheit wird auch für dich das Licht geboren, Jesus Christus.

Der Johannes der Bibel, Johannes der Täufer sagt noch viel mehr. Seine Geschichte ist spannend und faszinierend. Doch das würde hier wirklich zu weit führen.
Für dieses Wochenende wünsche ich Ihnen einfach ein schönes und fröhliches Johanni-Fest und einen wunderschönen Sommer. Genießen sie ihn in vollen Zügen. Ja, er wird enden. Ja, es wird wieder dunkler und kälter, aber dann feiern wir Weihnachten, das Licht der Welt, das in der dunkelsten Nacht geboren wird. Und heute feiern wir Johanni!

Irene Konrad - Evangelische Pfarrerin in Burgrain, Farchant und Oberau