Alles zur Frühjahrssynode der Evangelisch-Lutherischen-Kirche

Eröffnung Landessynode März 2019Bericht von Uli Wilhelm: Die Landessynode wurde am Sonntag, den 24.03.2019, mit einem festlichen Abendmahlsgottesdienst in der evangelischen Stadtkirche St. Stephan in Lindau eröffnet. Diakon Peter Klentzan, der Gründer der Organisation „Wings of Hope“, hielt eine eindrucksvolle, von biographischen Erlebnissen geprägte Predigt. Unter https://landessynode.bayern-evangelisch.de kann man sie ebenso nachlesen wie zahlreiche weitere Berichte, Textdokumente und Bilder.
Nach dem Gottesdienst waren wir eingeladen zu einem Empfang der Stadt und des Dekanats in der Inselhalle.

(Anmerkung der Redaktion: Hier finden Sie den gesamten Bericht mit allen Bildern als PDF zum Download. Viel Vergnügen bei der Lektüre.)

Am Montag, 25.03.2019 war der Beginn im Plenum zunächst von einer technischen Panne geprägt: ein unangenehmer Piepston in jener neu renovierten Halle, in der jährlich die Nobel-preisträger tagen, brachte die Techniker in Stress und verzögerte den Beginn. Nach der Mor-genandacht der Konsynodalen Schabert-Zeidler über das Augsburger Friedensfest eröffnete die Präsidentin Dr. Annekathrin Preidel die Synode. Der schwäbische Regierungspräsident Dr. Erwin Lohner und Oberbürgermeister Dr. Gerhard Ecker sprachen Grußworte.

In der Eröffnungsrede nahm die Präsidentin Bezug auf Mt 17,20 („Berge versetzen“) und ermutigte zu einem mutigen Blick in die Zukunft. Sie sieht den PuK-Prozess auf einem guten Weg, wünscht sich weniger Bürokratie, eine Kultur des Respekts, weit offene Kirchentüren und dass der Glaube stärker bleibt als alle Angst. Sie erinnerte an die Menschenrechte und daran, dass Kirche im Geiste Jesu immer Kirche für andere sein und insofern Friedensdienst leisten müsse.

Beate Schabert-Zeidler legte dann den Rechenschaftsbericht aus dem Landessynodal-ausschuss vor. Sie erinnerte zunächst an den Tod von OKR i.R. Helmut Völkel. Dann betonte sie die Bedeutung der Kasualien im Sinne der PuK-Ziele (Menschen den „einfachen Zugang zur Liebe Gottes“ ermöglichen) und warb für das neue integrierte Klimaschutzkonzept sowie für das Projekt „Neuordnung der Immobilien“ in der ELKB. Sie berichtete von Begegnungen mit dem Kirchenkreis Mecklenburg. Der LSA, so Schabert-Zeitler, habe sich intensiv mit der Vorlage 3 (Versorgung) beschäftigt und unterstützt den Vorschlag des Landeskirchenrates, sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu behandeln. Angesichts vieler anderer laufenden Prozesse und noch offener Fragen sei es derzeit zu früh, über dieses Thema zu beschließen. Angesichts des Informationsbriefes von OKR Reimers zum Thema, der am 12. März noch allen Mitarbeitenden im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zugegangen war, wunderte uns dieser plötzliche Sinneswandel zwar, die meisten Synodalen waren aber ebenfalls der Mei-nung, dass eine Verschiebung des Themas auf einen späteren Zeitpunkt sinnvoll sei.

Anschließend hörten wir den Bericht des Landesbischofs Dr. Heinrich Bedford-Strohm, den er unter das Wort „Denn er ist unser Friede“ (Eph 2,14a) stellte. Zunächst benannte der Bischof gegenwärtige Erfahrungen des Unfriedens (z.B. sexualisierte Gewalt, die Gefahr ei-nes neuen atomaren Wettrüstens, Künstliche Intelligenz, Populismus und Terror). Hoffnungs-losigkeit sieht er als eine Quelle des Unfriedens. Das Christentum habe dagegen „Hoffnungs-samen“ zu säen wie z.B. die Botschaft der Auferstehung. Auch der PuK-Prozess sei letztlich ein Ausdruck dieser Hoffnung. Der Friedensbegriff habe auch eine hohe sozialethische Kom-ponente. Prävention im Sinne eines „gerechten Friedens“ (im Gegensatz zum „gerechten Krieg“) sei nötig. Deutlich kritisierte er die weitere Erhöhung des militärischen Etats (noch immer ist Deutschland der viertgrößte Waffen-Exporteur der Welt!), während der Entwick-lungshilfe-Etat gekürzt wird. Die Kirchenpartnerschaften sieht er als kostbare Möglichkeiten für Dialog und Begegnung und erzählt von seiner Reise nach Papua-Neuguinea. Auch der Klimawandel sei dort ein großes Thema; der Bischof sprach sich deutlich für die Verabschie-dung des Klimaschutzkonzeptes aus und würdigte die Schüler-Demonstrationen „Fridays for Future“. Ebenso warb er für eine hohe Beteiligung an den vor uns liegenden Europawahlen und sprach sich dafür aus, Europa weiterhin als einen Kontinent zu sehen, der aufgrund seiner Geschichte für Versöhnung und Friede steht. „Beten, Tun des Gerechten und Warten auf Gottes Zeit“ (Bonhoeffer) sei der Weg für uns ChristInnen.

Wir hörten – unterbrochen vom Mittagsgebet - Grußworte des Bischofs der Ev.luth. Kirche Ungarns, Péter Kondor und von Pfr. Herbert Sperber von der Ev.-Reformierten Kirche in Bayern.

Danach hielt Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, einen Vortrag zum Thema „Was dem Frieden dient: Global denken, lokal han-deln: Globale Gerechtigkeit als Wurzel für den Frieden“. Er sieht die Welt an einem entschei-denden Punkt, ob der Mensch sie selbst vernichtet oder im Sinne der Nachhaltigkeit die Schöpfung bewahrt. Die weltweite Verantwortung der Christen müsse in folgenden Bereichen konkret werden:
1. Frieden und Versöhnung
2. Recht auf Leben in Würde (explizit dankte er für den Einsatz der Kirchen in der Flücht-lingsarbeit und forderte weitere Anstrengungen bei der Integration der Geflüchteten)
3. Gerechtigkeit (10% der Weltbevölkerung besitzen 90% der Güter; 20% verbrauchen 80% der Ressourcen. Der Markt brauche mehr Regeln, der Handel müsse fairer werden).
4. Hunger bekämpfen
5. Bewahrung der Schöpfung (Bevölkerungswachstum, Klimaschutz)
6. Solidarität (Partnerschaft mit Entwicklungsländern statt Ausbeutung)
7. Werte
8. Religion hat die Kraft, für Frieden und Gerechtigkeit einzutreten; Christen sind die stärkste Friedensbewegung weltweit.

Anschließend gab es ein Podiumsgespräch zum Thema; dann ging es in die Mittagspause – für mich eine Gelegenheit, mit unserem künftigen neuen Weilheimer Dekan Jörg Hammerbacher intensiv ins Gespräch zu kommen.

Der Nachmittag begann mit einem Grußwort von Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell aus Österreich. Anschließend folgte die Aussprache über die Berichte. Nach weiteren zwei Grußworten von der VELKD wurde die Beschlussempfehlung des landeskirchlichen Zu-kunftsprozesses „Profil und Konzentration“ (PuK) – begleitet von einigen motivierenden Kurzfilmen – sowie des Prozesses „Miteinander der Berufsgruppen“ (MdB) eingebracht.

Jäh endete der Arbeitstag dann mit einer schockierenden Mitteilung: Unser Konsynodaler Johannes Taig aus Hof war nach der Mittagspause nicht an seinen Platz zurückgekehrt. Er war auf dem Weg zusammengebrochen und noch auf der Straße verstorben. Diese Mitteilung traf uns zutiefst. Wir beendeten die Sitzung und beteten miteinander. Abends blieb die Stepha-nuskirche geöffnet, wo in der Seitenkapelle eine Kerze für Johannes brannte und die Synoda-len sich in der Stille versammeln konnten. Besonders berührt haben mich in dieser Situation die Worte Paul Gerhardts, die an der Wand dieser Kapelle neben der Christusfigur geschrieben stehen:

    Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir.
    Wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür.
    Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein,
    reiß mich aus deinen Ängsten, kraft deiner Angst und Pein.

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Bericht von Dr. Philipp Hildmann:
Eröffnet wurde der zweite Beratungstag am Dienstag, 26. März 2019, mit einer Morgenan-dacht unserer Konsynodalen Dr. Gertrud Späth. Wann ist ein Morgen ein guter Morgen, frag-te sie – wie viele der Anwesenden – noch tief bewegt vom Todesfall des vorangegangenen Tages. Zu einem guten Morgen gehöre neben Fühlen, Riechen oder Sich-bewegen-können auch Sicherheit. Biologisch melde unser Körper uns ein solches sich Sicherfühlen, wenn all unsere Sinne meldeten: keine Gefahr. Dieses Urvertrauen der Kindheit stelle sich später nur noch selten ein – nicht selten aber in Gottes Gegenwart. „Gott ist gegenwärtig“ war dann auch das zentrale Lied dieser Morgenandacht, die auch die Trauer um den Verstorbenen mit hin-einnahm in die Hoffnung auf Gottes Ewigkeit, die schon ein wenig aufschien in dem in diesen Tagen häufiger zitierten Satz unseres Konsynodalen Johannes Taig: „Unser Leben ist kein Ge-hen ins Nichts, sondern eine Heimreise.“

Vizepräsident Hans Stiegler griff diesen Satz auch in seiner anschließenden kurzen Erinne-rung an den Verstorbenen auf. „Er ist nach Hause gegangen“, sagte er. „An seinem Platz steht ein Licht, das für Christus steht, der uns zugesagt hat, nicht die Finsternis des Todes, sondern er, der Auferstandene, wird das Licht des Lebens bleiben. Dieses Licht gibt Orientie-rung. Es wird stärker. Und am Ende sind wir dann daheim.“

In das Schwerpunktthema der Frühjahrssynode, „Christus ist unser Friede“, führte sodann unser Konsynodaler Friedrich Hohenberger ein. Unsere lutherische Tradition mache es uns mit diesem Thema nicht ganz einfach. Die Confessio Augustana erwähne Gottes Frieden bei-spielsweise mit keinem Wort. Das Gegenteil aber, die (Erb-)Sünde, umso häufiger. Diese sei denn auch in den zurückliegenden Synodaltagungen immer wieder thematisiert worden. In Lindau solle es nun aber zentral um die Frage gehen, was dem Frieden diene – im Angesicht des globalen Unrechts, wenn das Böse zwischen den Völkern überhandnehme. Unter diesem Gesichtspunkt habe man auch die externen Referenten ausgewählt.

Es folgte der Hauptvortrag der Leiterin des Berliner Friedenszentrums der Mennoniten, Pas-torin Martina Basso, unter dem Titel „… und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens – Gerechter Frieden als ekklesiologische Herausforderung“. Sie rief die Kirchen dazu auf, sich auf allen Ebenen für den Frieden einzusetzen. Kirche sei dazu berufen, „Friedenskirche“ zu sein. Ihrer Ansicht nach, müsse Kirche in der Gesellschaft den Frieden exemplarisch leben, um so „als Zeichen der Hoffnung inmitten von Gewalt zu zeigen, was Gottes Wille ist: der ge-rechte Frieden.“ Dieser bedeute nicht nur die Abwesenheit von Krieg und Gewalt, sondern auch, Gerechtigkeit in der Gesellschaft durchzusetzen. Damit sei „soziale Gerechtigkeit“ ebenso gemeint wie „Rechtsstaatlichkeit“ oder die „Achtung der Menschenrechte“. Die Sy-nodalen sollten aber auch nicht „den prophetischen Auftrag der Kirche“ vergessen. Kirche müsse sich als eine „ethische Gemeinschaft“ verstehen, die „zeugnis- und zeichenhaft eine neue Qualität gewaltfreier Beziehung“ lebe, und diesen Selbstanspruch auch strukturell immer wieder überprüfen.

In 7-Minuten-Gesprächsimpulsen präsentierten sich anschließend die drei weiteren externen Referenten, mit denen die Synodalen dann in zwei Durchgängen in separaten Gesprächsgrup-pen ins Gespräch kommen konnten. Zusammengefasst hatten sie in etwas folgende Kernaus-sagen:

Oberstleutnant Mathias Meierhuber war eingeladen zum Thema: „Dem Bösen Einhalt gebie-ten: wehrhafte Verteidigung des Friedens“. Er schilderte nach einem kurzen Exkurs in die Zeit des Völkermords in Ruanda die Aufgaben der Bundeswehr als aktive Unterstützerin des deutschen sicherheitspolitischen Engagements. Diese seien stets transparent, am Grundgesetz ausgerichtet und im demokratischen Prozess steuerbar. „Ich bin Christ und Soldat“, sagte er. „Im schlimmsten Fall werde ich töten müssen. Da lade ich Schuld auf mich. Aber ich vertraue auf die Gnade Gottes, wenn es dazu kommen muss. Ich werde als Soldat weder gerechten noch himmlischen Frieden schaffen. Manche Menschen können durch die Gegenwart bewaff-neter Soldaten geschützt werden, andere vom Begehen von Straftaten abgehalten werden. Das verstehe ich unter wehrhaften Eintreten für den Frieden.“

Der Journalist und Kolumnist des SPIEGEL Jan Fleischhauer war eingeladen zum Thema: „Die Wahrheit stirbt zuerst: Macht und Verantwortung der Medien“. Es dürfe nicht nur da-rum gehen, Erregung zu produzieren, sagte er. „Die Leser erwarten auch eine Haltung im Journalismus“. Für ihn gelte der goldene Grundsatz: Nicht auf Leute einprügeln, die schon am Boden liegen. Dies erzeuge mitunter überraschende Solidarisierungen. Eine Wurzel des Popu-lismus sei für ihn die kulturelle Abwertung von Menschen und ihre Verachtung durch die Eli-te. Es gebe kein sichereres Mittel, Menschen gegen sich aufzubringen. Massiv kritisierte er die Selbst-Säkularisierung der Kirche. Statt ihr Alleinstellungsmerkmal „Spiritualität & Eschatolo-gie“ in den Vordergrund zu stellen, verfalle sie dem Hang zum Politisieren. Statt dem Numi-nosen Raum zu geben, wirke sie häufig wie eine Vorfeldorganisation der Grünen. In den Pre-digten erfahre man heute zwar viel Wellness, aber wenig Theologisches.

Polizeioberrat Dr. Bernd Bürger war eingeladen zum Thema: „Wenn die Stimmung kippt: Kri-senmanagement und Deeskalation vor Ort“. Er berichtete aus dem Alltag der Polizisten bei Demonstrationen. Die gefährlichste Situation sei, wenn eine polarisierende Stimmung entstehe „wir gegen die“, wir Demonstranten gegen die Polizisten oder umgekehrt. Hier setze sein Job ein. Es gelte, Vorgänge zu verstehen, Rollen wahrzunehmen, und vor allem, das Heft des Handelns nicht aus der Hand zu geben. Stets müsse es unter Wahrung des Neutralitätsgebots um die Unterstützung der rechtmäßigen Anliegen aller Demonstrationsteilnehmer gehen. „Wir sichern die Demokratie, wir sichern die Ausübung der Grundrechte.“

Mittags waren wir zu unterschiedlichen Begegnungen am Ort eingeladen. Man konnte sich über den kirchlichen Dienst an Gästen informieren oder über ein neues Modell für Demenz. Eine Führung auf dem Reformationspfad über die Lindau-Insel stand ebenso zur Auswahl wie Angebote über ein Taufprojekt im Dekanat, den Lindau-Prozess 2010-11, die Friedens-räume in Lindau-Schachen oder die Jugendkirche luv in Lindau-Aeschach. Ich nahm an der äußerst anregend und informativ vorgetragenen Führung auf den Spuren der Reformation mit dem Lindauer Pfarrer Eberhard Heuß teil.

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Bericht von Uli Wilhelm: Ich besuchte die Jugendkirche „luv“ im Lindauer Stadtteil Aeschach. Der Weg dorthin führt über Holzplanken, vorbei an einem selbst gebauten Segelschiff und hinein in ein etwa vier Meter hohes Tipi. Es steht hinter einer „echten“ Kirche - der evangelischen Christus-kirche. Neben dem Tipi gibt es eine Feuerstelle, eine große Holzterrasse bietet Platz für Ver-sammlungen, rundherum stehen Bäume. Die Jugendkirche ist 2013 entstanden. Der Name „luv“ stammt dabei aus der Seglersprache. Er bezeichnet die dem Wind zugewandte Seite des Bootes. Für den Rückenwind in der jungen Kirche Lindau sorgen vor allem die jungen Leute selbst. „Alle Angebote, die es hier gibt, werden von den Jugendlichen entwickelt“, sagte Ju-gendkirchen-Pfarrerin Johannetta Cornell, die „luv“ mit aufgebaut hat. Der Erfolg der Ange-bote hänge daher auch davon ab, „welche Ideen von den jungen Menschen kommen“. Etwa zehn verschiedene Angebote gibt es derzeit bei „luv“. Sie haben Namen wie „Tipi-time“, „skrupellos“, „luv@home“, „Bibel & Bier“ oder „meet and eat“. Einmal im Monat gibt es ei-nen Jugendgottesdienst im Tipi, zu dem regelmäßig etwa 50 Leute kommen. Es war schön für uns, zu sehen, wie lebendig hier Kirche von Jugendlichen für Jugendliche gestaltet wird. Da-für sind nicht unbedingt schicke Gebäude, sondern vielmehr personelle Kapazitäten und gute Beteiligungsstrukturen entscheidend.

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Bericht von Dr. Philipp Hildmann: Zurück in der Insel-Halle zog Präsidentin Dr. Annekathrin Preidel noch einmal ein kurzes Fa-zit des Thementags „Christus ist unser Friede“. Frieden, so sagte sie, sei kein Thema für ge-schlossene Räume, kein Thema, das stationär behandelt werden könne. „Wir haben die Fenster geöffnet und erkannt, dass wir in Bewegung bleiben müssen.“ Dies passe gut zur Jahreslosung 2019: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Auch im Friedensgebet griff Vizepräsident Hans Stiegler das Friedensthema noch einmal in 2 ½ Gedankenkreisen auf. Ein erster: Christus ist unser Friede. Er gebietet uns, unsere Feinde zu lieben. Er befreit uns aus dem Stumpfsinn der Selbstverkrümmung. Aus dieser Urbeziehung der Liebe heraus werden wir fähig, auch andere zu lieben und im Frieden miteinander zu le-ben. An diesem hohen Maßstab erkennen wir auch unsere Grenzen. Aber der Auftrag bleibt, dem Frieden nachzujagen. Ein zweiter: Christus ist unser Leben. Er ist gekommen, dass wir das Leben in Fülle haben. Wir erleben die Flüchtigkeit des Lebens auf dieser Welt. Gerade deshalb laden wir als Kirche zu einem Leben ein, dessen Qualität vor allem darin besteht, dass wir Sinn und festen Boden unter den Füßen haben, dass wir Antworten haben auch auf die allerletzten Fragen des Lebens. Ein letzter, halber Gedanke: Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Le-bens haben.“ Dieses Licht brauchen wir, um immer wieder neu für den Frieden tätig zu wer-den. Und dieses Licht es Lebens brauchen wir, um es immer wieder neu gegen den Tod zu setzen.

Es folgte Vorlage 8, der 4. Jugendbericht des Amtes für Evangelische Jugendarbeit, vorge-tragen von Landesjugendpfarrer Tobias Fritsche und OKR Michael Martin.

Der Jugendbericht hält fest, dass es zentrale Aufgabe der Kirche ist, den christlichen Glauben an die nächste Generation in ihrer Lebenswirklichkeit weiterzugeben. Bisher wurde Jugendar-beit als Zielgruppenarbeit gesehen und hauptsächlich an Jugendarbeiter delegiert. Im Hinblick auf die entscheidende Bedeutung der Jugendarbeit und den Personalmangel in der Kirche muss sie jedoch als ganzheitliches, vernetztes Arbeitsfeld begriffen werden. Pfarrer, Kirchen-musiker, Ehrenamtliche, Religionspädagogen, sie alle müssen Jugendarbeit und damit die „Weitergabe des Glaubens an junge Menschen“ zu ihrer Sache machen. Jugendarbeit in Bay-ern wurde nach dem Krieg als eine vielfältig gestaltete Verbandsarbeit wiederaufgebaut. Alle lebten und leben unter dem Dach der Evangelischen Jugend in Bayern ihre unterschiedlichen Profile – fromm und politisch. Diese Vielfalt ist nun eine große Chance, um verschiedenen Prägungen von Jugendarbeit zu begegnen. Für die nächste Generation verschwinden konfessi-onelle Grenzen immer mehr. Jugendliche suchen sich ihren passenden Ansatz. Darin müssen wir sie unterstützen und das können wir aus dem Reichtum evangelischer Jugendarbeit heraus, indem wir unsere vielen Profile erhalten, aber auch noch enger zusammenarbeiten. Die Über-weisung von Vorlage 8 erfolgte mit übergroßer Mehrheit.

Weiter ging es mit Vorlage 4, dem integrierten Klimaschutzkonzept für die ELKB mit dem Titel „Schöpfung bewahren – Klimaschutz praktizieren“, vorgetragen von OKR Detlev Bier-baum.

Das vorgelegte Klimaschutzkonzept bündelt die im Laufe der vergangenen Monate erarbeite-ten Erkenntnisse und stellt eine Entscheidungsgrundlage und einen Handlungsleitfaden für die Zukunft dar. Damit ist die Basis gelegt, um die Dimension der Klimaschutzaufgabe als kirchliche Grundaufgabe der ELKB im 21. Jahrhundert zu verstehen und Ansatzpunkte für konkretes Handeln zu finden. Nun gilt es, ins Handeln zu kommen. Dazu muss sich die ELKB in ihrer Gesamtheit auf ein Ziel verständigen und festlegen, in welchem Maße sie zum Klima-schutz beitragen möchte. Das Klimaschutzkonzept zeigt hier verschiedene Umsetzungsszena-rien auf. Die Überweisung von Vorlage 4 erfolgte übergroßer Mehrheit.

Es folgte Vorlage 5, die völlig neubearbeitete Konzeption der Außenbeziehungen der ELKB, vorgetragen von OKR Michael Martin.

Diese Ausarbeitung soll, so der der Untertitel, „Ein Beitrag zur weltweiten Communio“ sein. Aus dieser Gemeinschaft aller Christen folgt die ökumenische Verpflichtung, wie sie in Art. 6 unserer Kirchenverfassung beschrieben ist: „Die ELKB tritt dafür ein, dass die Einmütigkeit in der Einen Kirche Jesu Christi in aller Welt wächst.“ Die weltweiten Beziehungen, die unse-re Kirche eingegangen ist, sind exemplarische Verwirklichungen dieser Gemeinschaft aller Christen. Dabei unterscheiden wir zwischen der interkonfessionellen Zusammenarbeit und der Gemeinschaft innerhalb der lutherischen Weltfamilie. In den vorgelegten Ausführungen ist die Gemeinschaft mit den Kirchen innerhalb des Lutherischen Weltbunds von zentraler Bedeu-tung. Gleichwohl steht die interkonfessionelle Ökumene mit den orthodoxen Kirchen, der katholischen Kirche und den Freikirchen nicht nur am Rand. Sie ist für die ELKB auf der Ebene der Gemeinde, der Landeskirche und der Gemeinschaft im Ökumenischen Rat der Kir-chen eine für ihr Selbstverständnis als Kirche unverzichtbare Verpflichtung. Der besondere Akzent der vorgelegten Neubearbeitung liegt in den vier Kapiteln zu aktuellen Querschnitts-themen, an denen wir mit unseren weltweiten Partnern arbeiten: Mission und interreligiöser Dialog; Gerechtigkeit und Entwicklung; Gemeinde und Kirche in der Gesellschaft; Ökumene in Vielfalt und Einheit. Die Überweisung von Vorlage 5 erfolgte mit übergroßer Mehrheit.

Deutlich prosaischer ging es in der anschließenden Vorlage 6 zu, die eine Änderung des Kir-chengesetzes zur Änderung dienstrechtlicher Vorschriften zum Gegenstand hatte und von OKR Stefan Reimers vorgetragen wurde. Auch diese Vorlage 6 wurde mit übergrößer Mehr-heit überwiesen.

Es folgte Vorlage 7 zur Freigabe der Mittel für das Projekt „Gerne evangelisch – Lebens-begleitung durch Kasualien stärken“, das wir bereits auf der vorausgegangenen Synodalta-gung in Garmisch intensiv diskutiert hatten. Vortragender war wiederum OKR Michael Mar-tin.
In vorausgegangenen Sitzungen des LKR hat sich gezeigt, dass es sinnvoll ist, auf der einen Seite Schwerpunkte zu setzen durch Fachstellen für Lebensbegleitung, die im landesweiten Dienst angesiedelt sind und vor allem die Arbeit in den Großstadtregionen – explizit im Raum Nürnberg und München – stärken, auf der anderen Seite das Thema Kasualien in der Fläche der ELKB zu stärken. Nun soll eine Aufteilung der zur Verfügung stehenden Finanzmittel für die Maßnahmen in der Fläche und für Schwerpunktsetzungen erfolgen.

Erneut wurde die Vorlage 7 und das ihr zugrundeliegende Gesamtthema intensiv und mitun-ter kontrovers unter den Synodalen diskutiert. Anschließend erfolgte die Überweisung mit großer Mehrheit.

Ein Antrag auf eine Aktuelle Stunde war nicht eingegangen, deshalb entfiel dieser Tagesord-nungspunkt.

Eingegangen waren 15 Anträge und Eingaben (Nr. 160 bis 174), die zunächst in toto über-wiesen wurden und erst am 28. März 2019 etwas näher diskutiert werden sollten. Eine beson-dere Dringlichkeit wurde beim Antrag 175 (OKRBerufG Anhörung Dekane-Dekaninnenkapitel) gesehen, weshalb dieser ebenfalls überwiesen wurde. Beim Antrag 176 (Menschenrecht auf Seenotrettung) wurde mit 47 zu 45 Stimmen (bei 8 Enthaltungen) keine besondere Dringlichkeit gesehen, weshalb dieser auf die kommende Synodaltagung in Bam-berg verschoben wurde.

Es folgte der Bericht aus dem KK Augsburg und Schwaben von OKR Axel Piper, seit dem 1. Januar 2019 neuer Regionalbischof. Mit frischem Blick gewährte er uns einen Einblick in dieses wunderschöne „Happy End von Deutschland“. Das Merkmal des kleinsten bayerischen Kirchenkreises sei sein Abwechslungsreichtum und seine Verschiedenheit (nicht nur in der Verteilung der evangelischen Bevölkerung). Als theologische Aufgabe formulierte er, die Ge-rechtigkeit Gottes in der jeweiligen Region anzunehmen. Dabei solle und dürfe es (auch im Zusammenhang mit dem PuK-Prozess) keine Wertung geben, welcher Raum besser sei. Kirch-liche Arbeit passiere gerade in diesem Kirchenkreis in je unterschiedlicher Geschwindigkeit. Man dürfe die Vielfalt dabei zugleich als einen dreiteiligen Schatz schätzen: Vielfalt der Landschaft und ihrer historischen Prägung; Vielfalt der Menschen als Haupt- und Ehrenamtli-che; Vielfalt der Menschen, die in unserer Kirche nicht mehr auftauchten. Deshalb stand am Ende des lebendigen Vortrags die feste Überzeugung: „Der Schatz vermehrt sich, wenn wir ihn teilen und weitergeben!“

Die Abendandacht gestaltete Michael Renner gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern. Zusammen hatten sie sich auf eine Wanderung entlang des „Sentiero della Pace“ in Südtirol begeben. Der Höhenweg verläuft entlang der ehemaligen italienisch-österreichischen Frontli-nie des Ersten Weltkriegs in den Alpen. Die Eindrücke dieser Tour, untermalt mit Zitaten aus zeitgenössischen Dokumenten, waren äußerst bewegend und unterstrichen nachdrücklich den Auftrag, den die Schüler für sich und ihre Gegenwart mitgenommen haben: „Wir müssen die Spirale des Krieges durchbrechen.“

Nach einem Abendimbiss trafen sich noch die drei Arbeitskreise (Offene Kirche; Gemeinde Unterwegs; 3. Arbeitskreis) zu ihren jeweils nichtöffentlichen Sitzungen. Die Möglichkeit zu einem nächtlichen Ausklang bot zu später Stunde noch der inzwischen traditionelle Empfang der SPD-Landtagsfraktion.


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Bericht von Uli Wilhelm: Am Mittwoch, 27. März 2019, traf sich um 8 Uhr bereits der Berufungsausschuss zum Thema „Neubesetzung der Stelle des/der Regionalbischofs/bischöfin im Kirchenkreis München“. Wir Synodalen aus dem Kirchenkreis hatten dazu bereits im Vorfeld unsere Erwartungen und Wünsche schriftlich formuliert. Die Stelle wird nun im Amtsblatt ausgeschrieben und soll Mit-te Juli besetzt werden. Die Synodalen werden bei der Präsentation der Person – ähnlich wie ein Kirchenvorstand bei einem Pfarrstellenbesetzungsverfahren – gehört. Wir sind natürlich schon gespannt, wer Susanne Breit-Kessler in diesem Amt folgen wird.

Dann arbeiteten wir in den Ausschüssen, wo die Vorlagen, Anträge und Eingaben intensiv diskutiert wurden.

Nachmittags trafen wir uns zu einer Gedenk-Andacht für unseren verstorbenen Johannes Taig in der St. Stephanskirche. Es war wichtig für uns alle, noch einmal still zu werden, an ihn zu denken und für ihn zu beten.

Eine Kerze und Blumen stehen
am verwaisten Platz von Johannes
Taig in der Synode.

Unser Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zeichnete in der folgenden Plenumssitzung sieben bayerische Kirchengemeinden und ein Jugendwerk für ihre vorbildliche Öffentlich-keitsarbeit aus. Sie werde immer wichtiger, so der Landesbischof, weil die Weitergabe des Glaubens in den Familien und durch den Besuch von Veranstaltungen der Kirchengemeinde abgenommen habe. Darum seien Gemeindebrief, gemeindliche Webseiten oder Social Media Auftritte häufig der wichtigste Kommunikationskanal zu vielen Gemeindegliedern. Dort soll-ten die Inhalte und Botschaften gut formuliert und präsentiert werden, um auch gelesen zu werden. Die Inhalte sollten auch für Kirchenmitglieder gewinnbringend zu lesen sein, die am Gemeindeleben nicht direkt teilnähmen.

Ausgezeichnet wurden in der Kategorie „Gemeindebrief“ die Kirchengemeinde Selb und die Kirchengemeinden Lindau und Wasserburg; in der Kategorie „Webseite“ die Kirchengemein-den Neumarkt und St. Rochus Zirndorf; in der Kategorie „Social-Media-Nutzung“ die Kir-chengemeinden Nürnberg-Lichtenhof und München St. Markus und in der Kategorie „Ge-samtkonzept Öffentlichkeitsarbeit“ die Thomasgemeinde Grünwald. Besonders freuen wir uns, dass der Sonderpreis des Evangelischen Presseverbands Bayern in Höhe von 1000 Euro an die Evangelische Jugend Kaufering aus unserem Dekanat Weilheim ging. Wir gratulieren sehr herzlich zu diesem Preis!

Dann wurden folgende Vorlagen behandelt und abgestimmt:
1. Eine Beschlussvorlage zum landeskirchlichen Zukunftsprozess „Profil und Konzentrati-on“. Die Beschlussvorlage stieß auf überraschend breite Zustimmung (einstimmig bei nur einer Enthaltung!); Details, z.B. Anregungen, die am Ausschusstag gegeben wurden, konnten noch eingearbeitet und sprachliche Präzisierungen vorgenommen werden. Auch der Landeskirchen-rat schloss sich der Beschlussvorlage an. OKR Blum dankte allen Mitarbeitenden für die brei-te Beteiligung und das hohe Engagement im PuK-Prozess. Thomas Prieto Peral, Florian Baier, Brigitta Bogner und Kerstin Täubner-Benicke vom PuK-Büro wurden besonders bedankt. Ingrid Kaspar hat einen eigenen PuK-Song geschrieben, der zum Abschluss von allen gesun-gen wurde.

2. Miteinander der Berufsgruppen in der ELKB. Auch diese Vorlage fand insgesamt breite Zustimmung.  Auch hier gab es kleine Ergänzungen und Korrekturen. Bei 7 Enthaltungen wurde die Vorlage - auch vom Landeskirchenrat – einmütig angenommen. Die Synode dankte insbesondere Regionalbischof Ark Nitsche für seine kompetente Begleitung dieses großen Beteiligungsprozesses. Er erinnerte in seinem Dank auch an OKR Helmut Völkel, der in der Anfangsphase prägend war für den Prozess.

(3. Die Vorlage „Eckpunkte-Empfehlungen des Arbeitsausschusses Versorgung“ wurde wie oben bereits erwähnt vom Landeskirchenrat zurückgezogen und daher nicht behandelt.)

4. „Schöpfung bewahren – Klimaschutz praktizieren“ Das integrierte Klimaschutzkonzept für die ELKB wurde bei wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen mit großer Mehrheit ver-abschiedet. Damit ist das Thema „Nachhaltigkeit“ endgültig in der Mitte unserer Kirche konk-ret verankert.

5. Auch die neue Konzeption der Außenbeziehungen der ELKB wurde einmütig verab-schiedet.

6. Die Änderung des Pfarrbesoldungsgesetzes wurde in erster Lesung behandelt. Dabei geht es in erster Linie um finanzielle Zulagen für SchulfreferentInnen.
 
7. Die Freigabe der Mittel in Höhe von 3,25 Mio. Euro für das Projekt „Gerne evangelisch – Lebensbegleitung durch Kasualien stärken“ wurde nach längerer Diskussion mit großer Mehrheit beschlossen. Dabei geht es einerseits um die Einrichtung von Fachstellen in Nord- und Südbayern, andererseits um Bezuschussung von Projekten, die in den Gemeinden bzw. Dekanaten im Hinblick auf Kasualien Unterstützung brauchen.

8. Das Amt für Ev. Jugendarbeit legte seinen 4. Jugendbericht vor. Auch dieser wurde zu-stimmend zur Kenntnis genommen.

Für die beiden Oberkirchenräte Dr. Detlef Bierbaum und Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss war die Synode in Lindau ihre letzte, ehe sie heuer in den Ruhestand gehen. Zum Ab-schluss des Abends wurden die beiden mit viel Applaus und Blumensträußen verabschiedet. Nach der Abendandacht lud das Synodalbüro uns noch zu einem geselligen Beisammensein ein.

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Bericht von Dr. Philipp Hildmann: Der letzte Tag der Frühjahrstagung der Synode, Donnerstag, 28. März 2019, begann mit ei-ner Morgenandacht unseres Konsynodalen Klaus Haimböck. In Anlehnung an den „Magier“ David Copperfield reduzierte er einen Kreis mit Symbolen in einem (eben) symbolischen Akt der Konzentration immer weiter, bis nur noch das Symbol der Heiligen Schrift übrigblieb. „Uns eint als Synodale die Überlegung, dass die Grundlage unseres Denkens, Redens und Handelns das Wort Gottes ist, das in Christus Fleisch wurde und in der Bibel bezeugt worden ist.“

Es folgte in 2. Lesung die Beschlussfassung über die Vorlagen.

Eine Tour d’Horizon durch 60 Jahre Brot für die Welt präsentierte uns anschließend Jürgen Hammelehle, Leiter des Referates Gemeinde, Diakonie und Bildung des evangelischen Ent-wicklungswerks:

Bereits in den 1960er Jahren etablieren sich drei Prinzipien der Arbeit, die bis heute gültig sind: alle Menschen unterstützen, die arm und ausgegrenzt sind, unabhängig von ihrer Religi-ons- oder Konfessionszugehörigkeit; keine eigenen Projekte durchführen, sondern mit einhei-mischen Partnerorganisationen zusammenarbeiten; Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Stand anfangs noch die Ernährungssicherung im Mittelpunkt der Projektarbeit, so kamen bald darauf weitere Handlungsfelder hinzu – etwa Bildung und Gesundheit, die Wahrung der Menschenrechte oder die Gleichstellung der Geschlechter.

Nach der Jahrtausendwende wurde die Lobbyarbeit für das Hilfswerk immer wichtiger. Es zeigte sich, dass nachhaltige Veränderungen nur dann zu erzielen sind, wenn auch die politi-schen Rahmenbedingungen in den Blick genommen werden. Brot für die Welt will seitdem politische Entscheidungen im Sinne der Armen beeinflussen und ein Bewusstsein für die Notwendigkeit einer nachhaltigen und fairen Lebens- und Wirtschaftsweise schaffen.

2012 fusionierte das Diakonische Werk der EKD mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst zum Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung. Die internationale Entwicklungsar-beit und die nationale diakonische Arbeit wurden so enger miteinander verzahnt. Ziel ist es, mit einer Stimme einzutreten für Menschen, die unter Armut und Ungerechtigkeit leiden – hierzulande und in aller Welt. Durch die Fusion wurde die Arbeit von Brot für die Welt auf eine breitere finanzielle Basis gestellt. Neben Spenden und Kollekten erhält das Hilfswerk seither auch staatliche und kirchliche Mittel.

Heute hat Brot für die Welt 580 hauptamtliche Mitarbeiter. Das Hilfswerk fördert mehr als 2.000 Projekte in über 90 Ländern und ist eine der bekanntesten Organisationen in Deutsch-land, die sich für die Überwindung von Hunger und Armut und für mehr Gerechtigkeit ein-setzen. Für alle Unterstützung sagte Jürgen Hammelehle auch den anwesenden Synodalen Dank.

Es folgte ein Kurzbericht unseres Konsynodalen Michael Renner aus dem Ausschuss Bil-dung, Erziehung, Jugend, bei dem er unter anderem OKR Detlev Bierbaum und dem eben-falls ausscheidenden Konsynodalen Jonas Strasser dankte. Die weiteren Ausschüsse verzichte-ten auf separate Berichte.

Der letzte Teil der Sitzung war noch einmal den Anträgen und Eingaben gewidmet. Nr. 160, 161, 163, 164, 165, 166, 172, 173 und 174 wurden unter Verweis auf die jeweilige Stellung-nahme des LKR abgelehnt. Angenommen wurden Nr. 162, 167, 168 und 171. Nr. 169 wurde abgelehnt, zugleich wurde aber die Bitte an die Fachabteilung des LKR geäußert, bis zur nächsten Synode die Verordnung daraufhin zu überprüfen, ob die unterschiedlichen kirchen-musikalischen Verhältnisse in den Dekanaten es erforderlich machten, weitere Spielräume zu eröffnen. Von Nr. 170 wurden Teil 1 und 3 abgelehnt, der Rest erfuhr Zustimmung.

Die Frühjahrstagung der Synode in Lindau schloss anschließend nahezu pünktlich nach einem Dank und Schlusswort von Präsidentin Dr. Annekathrin Preidel sowie dem Mittagsgebet und Reisesegen durch Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm.
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Die nächste und letzte Tagung dieser Synodalperiode findet vom 24.-28. November 2019 in Bamberg statt.
Bis dahin wünschen wir allen Leserinnen und Lesern unseres Berichts Gottes Segen und viel Freude in und mit unserer Kirche.

Pfarrerin Ulrike Wilhelm                        Dr. Philipp Hildmann
Garmisch-Partenkirchen                       Starnberg